Kölner Karneval: Warum diese fünf Tage die Stadt auf den Kopf stellen

Ekkehard Scheel
Ekkehard Scheel
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Ein altes Plakat, das einen Pariser Karneval ankündigt und eine Gruppe von Menschen in traditioneller Kleidung vor einem hellgelben Hintergrund zeigt, mit einem Banner mit der Aufschrift "Großer Karneval" oben.Ekkehard Scheel

Anleitung zur 'Witzischkeit' - Das ABC des Karnevals - Kölner Karneval: Warum diese fünf Tage die Stadt auf den Kopf stellen

Kölner Karneval: Eine wilde, chaotische Feier mit eigenen Regeln – und wer sie bricht, riskiert Empörung

Von verbotenen Wörtern bis zu rücksichtslosen Kamellajägern: Die Traditionen des Kölner Karnevals reichen Jahrhundert zurück. Ein neuer Ratgeber hilft Außenstehenden nun, den Wahnsinn hinter Masken, Umzügen und politischer Satire zu verstehen.

Die Wurzeln des Festes lassen sich bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückverfolgen, als wirtschaftliche Not nach den Napoleonischen Kriegen 1823 zur Gründung der ersten Kölner Karnevalsgesellschaft führte. Bald entstanden Rivalitäten, die die Feierlichkeiten spalteten – 1845 und 1883 gab es bereits zwei konkurrierende Umzüge. Preußische Behörden verboten später den Titel "Karnevalskönig" und ersetzten ihn durch einen Prinzen, um den aufmüpfigen Charakter der Veranstaltung einzudämmen.

Politische Spottlust war stets zentral: Mittelalterliche Satire richtete sich gegen die Mächtigen. Selbst Konrad Adenauer, späterer Bundeskanzler und Kölner Bürger, lehnte den "zerstörerischen und boshaften" Humor des Festes ab. Unter den Nationalsozialisten wurde der Karneval seiner rebellischen Seele beraubt, mit antisemitischen Motiven durchsetzt und in gleichgeschaltete Marschveranstaltungen umfunktioniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Tradition eine Renaissance – und gewann ihre subversive Schärfe zurück.

Heute folgt der Karneval strengen Bräuchen. "Fasching" – der in weiten Teilen Deutschlands übliche Begriff – ist in Köln und Düsseldorf tabu. Das "Dreigestirn" aus Prinz, Bauer und Jungfrau herrscht symbolisch über das Treiben. Nobelpreisträger Heinrich Böll spottete einst über das Kölner "Kölsch" als "harntreibendes Lokalgebäu" – doch das Bier bleibt ein fester Bestandteil der Feiern. Gleichzeitig ziehen die "Grapscher" durch die Umzüge und reißen sich aggressiv die Süßigkeiten von den Wagen.

Manche Traditionen sind verschwunden oder haben sich gewandelt. Das "I-Kostüm", einst ein Klassiker, ist heute so tabu, dass es nicht einmal beim Namen genannt wird. Die Band "Höhner" spielt weiterhin Hymnen, die Kölns Vollkommenheit besingen, während der karnevalistische "Witz" exakt fünf Tage währt – danach kehrt der Alltag zurück. Und trotz aller Mythen: Viele bestehen darauf, dass Alkohol unverzichtbar ist und eine nüchterne Karnevalsfeier undenkbar.

Der Kölner Karneval vereint jahrhundertealten Aufruhr, Satire und strenge Regeln. Der Ratgeber erklärt seine Eigenheiten – von verbotenen Wörtern bis zur symbolträchtigen Macht des "Dreigestirns". Fünf Tage im Jahr gibt sich die Stadt dem kontrollierten Chaos hin – bevor sie wieder zur Normalität zurückfindet.

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