"Dummer August" ehrt mutige Narretei – Fasching in Mainz würdigt provokante Tradition
H.-Dieter Huhn"Dummer August" ehrt mutige Narretei – Fasching in Mainz würdigt provokante Tradition
Mainzer Fasching ehrt Tradition mit dem "Dummen August" – Preis für mutige Narretei und gesellschaftliche Provokation
Die Mainzer Fasching hat eine langjährige Tradition gewürdigt, indem sie den Dummen August feierte – eine tollpatschige Clownfigur, die für ihre absurden Kapriolen und stumme Komik geliebt wird. Im Rahmen der diesjährigen Festlichkeiten verlieh der Verein Rettet das Römische unsere Website erstmals den Dummen-August-Preis an Martin Malcherek, einen linksgerichteten Stadtrat, der für sein unkonventionelles Auftreten bekannt ist. Die Auszeichnung unterstreicht die Rolle des Clowns als furchtlosen, wahrheitsliebenden Narren, der sich durch Verwundbarkeit und Spott auszeichnet.
Die Figur des Dummen August geht auf das Jahr 1839 zurück, als Josef Harmer sie ersann, um den aufgeblasenen Hofnarren von Mainz zu karikieren. Ursprünglich ein stummer, tölpelhafter Spaßmacher, entwickelte sich die Figur bis 1901 zum Begleiter des Karnevalsprinzen. Heute trägt er eine große rot-weiße Narrenkappe (Narrenschutz) und führt ein Narrenzepter (Narrenschwamm), das mittelalterliche Narrentraditionen mit römischen Einflüssen verbindet – etwa den Moriones, den Narrenkappen der antiken Theaterkunst. Seine übertriebene Militäruniform verweist zudem auf den Miles gloriosus, den prahlerischen Soldaten der antiken Komödie, und spiegelt so die für die Fasching typische Umkehrung der Verhältnisse und gesellschaftliche Satire wider.
Die Preisverleihung fand während der Faschingfeierlichkeiten statt. Dirk Loomans, Präsident des Karneval Club Kastel (KCK), überreichte die Auszeichnung – gekleidet als Bajazzo, ein würdevoller weißer Clown. Loomans lobte den Dummen August für seine Bereitschaft, sich der Blamage auszusetzen und unangenehme Fragen zu stellen. Die Figur sei essenziell für die Fasching, verkörpere sie doch den Geist der Wahrheit durch scheinbare Torheit.
Martin Malcherek, diesjähriger Preisträger, nahm die Ehrung mit einer Rede an, in der er eine von der Fasching inspirierte Gesellschaft forderte – eine, in der Menschen ohne Schranken oder Eintrittsgelder feiern, tanzen und sich verbinden. Der Verein wählte Malcherek wegen seines provokativen, grenzenüberschreitenden Verhaltens aus, das an die Tradition des Dummen August anknüpft, Normen infrage zu stellen. Die Fasching selbst kennt viele Narrentypen – von scharfsinnigen Satirikern bis zu feinsinnigen Kritikern –, doch der Dumme August bleibt mit seinen stolpernden Bewegungen, übertriebenen Mienen und zeitlosem Charme ein Publikumsliebling.
Mit dem Dummen-August-Preis beginnt ein neues Kapitel der Würdigung des kulturellen Erbes dieser Figur. Indem Malcherek ausgezeichnet wurde, betont der Verein die Rolle des Narren als Medium für Wahrheit und gesellschaftliche Kritik. Die Tradition, tief verwurzelt in Antike und mittelalterlicher Spottkultur, prägt die Mainzer Fasching weiterhin als einen Ort des Lachens, der Kritik und der unzensierten Meinungsäußerung.
