24 February 2026, 13:30

Neuer Kirchenchef Wilmer übernimmt in gespaltener Zeit mit Reformdruck

Ein Schwarz-Weiß-Foto eines Mannes in Priesterroben, der mutmaßlich der erste Bischof der anglikanischen Kirche ist, der aufrecht steht und ernst schaut, die Hände vor der Brust gefaltet.

Heiner Wilmer führt katholische Bischöfe an - Neuer Kirchenchef Wilmer übernimmt in gespaltener Zeit mit Reformdruck

Die katholische Kirche in Deutschland hat Bischof Heiner Wilmer aus Hildesheim zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Die Ernennung erfolgt zu einer Zeit, in der die Institution mit tiefen Spaltungen und einem drastischen Mitgliederschwund konfrontiert ist. In den vergangenen fünf Jahren haben mehr als zwei Millionen Menschen die Kirche verlassen – viele fordern schnellere Reformen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Der Austritt von Mitgliedern hat sich in den letzten Jahren beschleunigt. 2019 zählte die Kirche in Deutschland noch rund 22,6 Millionen Gläubige. Bis Ende 2024 war diese Zahl auf etwa 20,4 Millionen gesunken, mit jährlichen Verlusten von über einer halben Million. Kritiker führen dies auf die Kirchensteuer, die fortschreitende Säkularisierung, Missbrauchsskandale und die Frustration über den Synodalen Weg zurück – einen Reformprozess, der 2019 gestartet wurde. Viele wünschen sich Veränderungen wie die Frauenweihe und die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, doch der Fortschritt bleibt zäh.

Der Synodale Weg sollte diese Forderungen aufgreifen, doch seine Wirkung blieb begrenzt. Deutsche Bischöfe drängten auf Reformen, stießen jedoch auf den Widerstand der strengen Lehre des Vatikans. Der scheidende Vorsitzende Georg Bätzing setzte sich für liberale Kurswechsel ein, scheiterte jedoch an einer zweiten Amtszeit angesichts der Gegenwehr. Sein Nachfolger Heiner Wilmer übernimmt nun ein gespaltenes Episkopat.

Wilmer, bekannt für seine progressive Haltung, befürwortet eine Modernisierung der Sexualmoral und den Segen für gleichgeschlechtliche Paare. Gleichzeitig betont er die Evangelisierung – ein Anliegen, das oft von konservativen Bischöfen unterstützt wird. In seinem Bistum hat er Frauen in Führungspositionen gebracht und damit Traditionen durchbrochen. Seine Herausforderung wird es sein, reformerische Bestrebungen mit der Loyalität zum Vatikan in Einklang zu bringen, um die inneren Spannungen zu mildern.

Wilmers Amtszeit beginnt in einer entscheidenden Phase für die katholische Kirche Deutschlands. Angesichts schrumpfender Mitgliedszahlen und sich zuspitzender Reformdebatten wird seine Fähigkeit, die Bischöfe zu einen und mit Rom zu verhandeln, die Zukunft der Kirche prägen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Kompromisse den Niedergang bremsen können – oder ob tiefgreifendere Veränderungen nötig sind.