18 February 2026, 05:06

80 Kilometer zum Arzt: Wie ländliche Regionen in Niedersachsen um Hausärzte kämpfen

Ein französischer Arzt in einem Wagen umgeben von ein paar Menschen, mit Gebäuden im Hintergrund und einem bewölkten Himmel, mit Text am unteren Bildrand.

"Wut im Bauch" - wo der Arztmangel in Niedersachsen frustriert - 80 Kilometer zum Arzt: Wie ländliche Regionen in Niedersachsen um Hausärzte kämpfen

Patienten in ländlichen Regionen Deutschlands legen bis zu 80 Kilometer zurück, um einen Arzt zu erreichen – die Versorgungslücken verschärfen sich

In Niedersachsen hat der Ärztemangel kleine Gemeinden wie Bunde hart getroffen: Selbst grundlegende medizinische Leistungen sind kaum noch aufrechtzuerhalten. Experten warnen, dass sich die Situation für die Bevölkerung und die ohnehin überlasteten Hausärzte weiter zuspitzen wird, wenn nicht schnell gehandelt wird.

Dr. Holger Plochg, Hausarzt in Bunde, betreut heute dreimal so viele Patienten wie bei seinem Berufsstart 1997. Doch bis Oktober droht die Gemeinde auch ihren zweiten Allgemeinmediziner zu verlieren – dann bliebe Plochg als einziger Arzt für Hunderte Einwohner zurück. Seine Arbeitsbelastung ist explodiert, doch Verstärkung ist nicht in Sicht.

Allein in Niedersachsen waren im Dezember vergangenen Jahres 447 Stellen für Hausärzte unbesetzt. Besonders betroffen sind ländliche Regionen, da junge Mediziner zunehmend Praxen in Städten den Vorzug geben. Der Dermatologe Bernd Brinker aus Weener behandelt Patienten, die bis zu 80 Kilometer anreisen – einfach weil es in der Nähe keine Fachärzte mehr gibt.

Die Landesregierung hat einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, der unter anderem eine Arbeitsagentur für Mediziner und mehr Studienplätze vorsieht. Doch Dr. Plochg hält die Reformen für zu zögerlich. Niedersachsen hinkt bereits hinterher: Pro 100.000 Einwohner gibt es nur zehn Ausbildungsplätze für Mediziner – deutlich weniger als in anderen Bundesländern. Deutschlandweit wären laut Plochg jährlich 4.000 bis 5.000 zusätzliche Plätze nötig, um den Bedarf zu decken.

Trotz der Belastung bleibt Plochg seiner Arbeit verbunden. Er setzt sich weiterhin für die ländliche Medizin ein, auch wenn das System von Jahr zu Jahr weiter ausgedünnt wird.

Von einer Entspannung der Lage in Niedersachsen ist nichts in Sicht. Mit Hunderten unbesetzten Stellen und überlasteten Hausarztpraxen müssen Patienten längere Wartezeiten und weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Ohne einen schnelleren Ausbau der Ausbildung und stärkere Anreize für die Arbeit auf dem Land werden die Versorgungslücken in der Gesundheitsversorgung weiter wachsen.

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