Streit um neuen Famila-Supermarkt in Soltau: Ratsbeschluss trotz Proteste
H.-Dieter HuhnStreit um neuen Famila-Supermarkt in Soltau: Ratsbeschluss trotz Proteste
Der Stadtrat von Soltau hat nach einer hitzigen Debatte einen umstrittenen Einzelhandels- und Stadtentwicklungsplan verabschiedet. Die Entscheidung umfasst einen neuen Famila-Supermarkt an der Celler Straße und wurde mit 17 Ja-Stimmen, 14 Nein-Stimmen und einer Enthaltung angenommen. Einzelhändler, Politiker und Eltern brachten sich gleichermaßen in die strittigen Themen ein.
In derselben Sitzung wurde auch die eskalierende Krise in den örtlichen Kitas thematisiert, wo Personalmangel zu Schließungen und verkürzten Öffnungszeiten führt. Eltern und Verantwortliche stritten über Lösungsansätze, während der Rat trotz Widerstand die Einzelhandelsausweitung vorantrieb.
Der Einzelhandelsplan stieß von Anfang an auf starken Widerstand. Lutz Tobias von den Grünen argumentierte, Soltau verfüge bereits über ausreichend Geschäfte, und warnte vor einem "Betonklotz" an der Celler Straße. Der neue Supermarkt könnte seiner Meinung nach Verkehrsprobleme verursachen und riskieren, in Zukunft leer zu stehen. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Heidi Schörken verteidigte das Projekt hingegen als zukunftsweisendes Gesamtkonzept und betonte, ein weiterer Vollsortimenter werde dringend benötigt – selbst in der nahegelegenen Gemeinde Wietzendorf.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie die Kreisverwaltung hatten die Pläne bereits unterstützt und als "objektive Fachbewertung" bezeichnet. Der Stadtplaner Daniel Gebelein teilte diese Einschätzung. Dr. Hans Willenbockel, Sprecher der Bürgerunion/FDP, forderte jedoch eine Vertagung und argumentierte, die Bewertung müsse aktuelle Rückmeldungen von Unternehmen berücksichtigen. Sein Antrag auf Verschiebung der Abstimmung scheiterte.
SPD-Fraktionschef Birhat Kaçar wies Bedenken zurück, der Supermarkt könne die Innenstadt schwächen. Angesichts steigender Einwohnerzahlen, Pendlerströme und Tourismus sprach er von einer notwendigen Schließung einer Versorgungslücke. Die finale Abstimmung endete mit 17 Ja-Stimmen, 14 Nein-Stimmen und einer Enthaltung – viele lokale Händler verfolgten die Debatte vor Ort.
Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung war die sich verschärfende Kita-Krise. Erster Bürgermeister Karsten Lemke räumte ein, die Bemühungen um Personalgewinnung seien gescheitert, und verglich die Situation mit "Fischen in einem Dorfteich". Mütter mit kleinen Kindern protestierten während der öffentlichen Sitzung und forderten Lösungen für die durch Personalmangel verursachten Schließungen und Kürzungen der Betreuungszeiten.
SPD-Rätin Manuela Bartels sprach sich für kreative Ansätze aus, etwa Gebührenrückerstattungen, "Tauschmodelle" für Kita-Plätze oder einen Pool aus Springer-Kräften. Eine sofortige Lösung wurde jedoch nicht beschlossen, sodass das Problem vorerst ungelöst bleibt.
Der Einzelhandelsplan wird nun umgesetzt, der Famila-Supermarkt an der Celler Straße gebaut. Die Ratsentscheidung folgt auf monatelange Kontroversen, doch Gegner warnen weiterhin vor möglichen Verkehrs- und Wirtschaftsrisiken.
In den Kitas bleibt die Personalnot ungelöst. Eltern müssen weiterhin mit Schließungen und reduzierten Öffnungszeiten leben, während die Verantwortlichen noch keine konkreten Maßnahmen zur Behebung des Mangels ergriffen haben.
