Bundesgesundheitsministerin diskutiert mit Apothekerin über finanzielle Notlage und Reformbedarf
H.-Dieter HuhnBundesgesundheitsministerin diskutiert mit Apothekerin über finanzielle Notlage und Reformbedarf
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) besuchte vergangenen Freitag die Bahnhof-Apotheke in Münsingen, Baden-Württemberg. Im Mittelpunkt des Gesprächs mit der Inhaberin Dr. Melanie Gaub standen die finanziellen und regulatorischen Belastungen, unter denen lokale Apotheken leiden.
Gaub begrüßte die Ministerin und bezeichnete den Austausch als "sehr angenehm". Sie betonte die dringende Notwendigkeit, dass Apotheken künftig mehr Leistungen anbieten müssten – etwa Impfungen –, um die Ärzteschaft zu entlasten. Die pauschale Rezeptgebühr ist seit 2013 bei 8,35 Euro eingefroren, obwohl die Betriebskosten um 65 Prozent gestiegen sind. Ein Vorschlag, sie auf 9,50 Euro anzuheben, scheiterte am Widerstand des GKV-Spitzenverbandes, der die Finanzierung infrage stellte.
Ministerin Warken räumte die finanzielle Schieflage ein, versicherte jedoch, dass eine Anpassung der Gebühr weiterhin geprüft werde. Einen Rückgang der Versandapotheken halte sie für unrealistisch, forderte aber schärfere Kontrollen. Zwar unterstütze sie die Ausweitung der Apothekenleistungen, doch seien dafür regulatorische Änderungen nötig – und damit die Zusammenarbeit mit den Berufskammern.
Auf Nachfragen zum Besuch äußerte sich Warken nicht weiter. Sie unterstrich jedoch ihr Engagement für Abbau von Bürokratie und erkannte an, dass die Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen gerechter gestaltet werden müsse.
Der Besuch machte die anhaltende finanzielle Notlage der Apotheken deutlich: Seit über einem Jahrzehnt gab es keine Gebührenerhöhung. Ob Warkens Reformversprechen greifen, hängt von regulatorischen Genehmigungen und der Zusammenarbeit mit Verbänden ab. Für die Bahnhof-Apotheke und viele andere bleibt die Zukunft ungewiss – bis konkrete Änderungen umgesetzt sind.
