17 March 2026, 00:38

Forscher entschlüsseln 3D-Struktur des tödlichen Nipah-Virus – Hoffnung auf Therapien

Eine 3D-Rendering-Abbildung eines kugelförmigen Coronavirus, das detaillierte Oberflächendetails zeigt.

Forscher entschlüsseln 3D-Struktur des tödlichen Nipah-Virus – Hoffnung auf Therapien

Wissenschaftler haben erstmals die 3D-Struktur der RNA-Polymerase des Nipah-Virus entschlüsselt. Der Durchbruch, angeführt von Forschern des Universitätsklinikums Göttingen (UMG) und des Max-Planck-Instituts (MPI), bringt neue Hoffnung im Kampf gegen eine tödliche Krankheit, für die es bisher keine Behandlungsmöglichkeiten gibt. Infektionen mit dem Nipah-Virus können bis zu 70 Prozent der Betroffenen töten und werden von Fledermäusen auf Menschen übertragen oder verbreiten sich zwischen Menschen.

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Die in Nature Communications veröffentlichte Studie nutzte Kryo-Elektronenmikroskopie, um die Form des Enzyms sowohl in freier als auch in RNA-gebundener Form abzubilden. Diese Polymerase spielt eine zentrale Rolle bei der Vervielfältigung des viralen Erbguts und der Aktivierung seiner Gene. Obwohl sie Ähnlichkeiten mit Enzymen verwandter Viren aufweist, besitzt sie einzigartige Merkmale, die erklären könnten, warum das Nipah-Virus so gefährlich ist.

Seit 2001 kommt es in Bangladesch fast jährlich zu Ausbrüchen, darunter 2023 ein erneuter Fall in Dhaka. Auch in Indien gab es Infektionen, etwa 2018 und 2023 in Kerala, sowie vereinzelte Fälle auf den Philippinen. Um die Übertragung einzudämmen, empfehlen Gesundheitsbehörden Schutzmaßnahmen wie das Abdecken von Behältern mit Dattelpalmsaft und das Abkochen von rohem Saft. Die Überwachung von Fledermauspopulationen – insbesondere der Gattung Pteropus – sowie sichere Lebensmittelpraktiken bleiben entscheidend.

Die Forschung zeigt, wie die Polymerase virale RNA bindet, um Kopien herzustellen, wobei sie sowohl die Matrize als auch die neu gebildeten RNA-Stränge erkennt. Da es bisher weder Medikamente noch Impfstoffe gibt, gilt dieses Enzym nun als vielversprechender Ansatzpunkt für die Entwicklung von Therapien. Die Finanzierung erfolgte durch den Exzellenzcluster Multiscale Bioimaging, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Europäische Union.

Die Ergebnisse liefern eine detaillierte Vorlage für die Entwicklung von Wirkstoffen, die die Vermehrung des Nipah-Virus blockieren könnten. Angesichts fehlender Behandlungsoptionen stellt dieser Fund einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu potenziellen Therapien dar. Die Studie unterstreicht zudem die anhaltenden Bemühungen, Ausbrüche durch öffentliche Gesundheitsmaßnahmen und Überwachung einzudämmen.

AKTUALISIERUNG

Fruheren Untersuchungen zufolge zeigt die Nipah-Virus-Polymerase Resistenz gegen Arzneimittel und ein potenzielles Inhibitor

Neuere Erkenntnisse aus Studien von 2024 zeigen, dass der Nipah-Virus-Polymerase-Komplex aufgrund von strukturellen Veranderungen eine naturliche Resistenz gegen den Inhibitor GHP-88309 aufweist. Forscher identifizierten daruber hinaus Suramin als eine Verbindung, die die Polymerase-Aktivitat auf beiden enzymatischen und zellularen Ebenen hemmt. Diese Ergebnisse, die von einem Team aus Beijing stammen, erweitern fruhere strukturelle Analysen und weisen auf neue Arzneimittelentwicklungsmoglichkeiten hin.