Grimme Online Awards 2023: Skandal um entzogenen Preis und Proteste auf der Bühne

Lidia Hartung
Lidia Hartung
3 Min.
Ein Mann im Anzug und Krawatte steht an einem Rednerpult mit einem Mikrofon und spricht vor einer Menge mit einem Banner im Hintergrund, wahrscheinlich in Reaktion auf ein Regierungsverbot von Social Media.Lidia Hartung

Grimme Online Awards 2023: Skandal um entzogenen Preis und Proteste auf der Bühne

Die 25. Grimme Online Awards (GOA) im November 2023 entwickelten sich zu einem Kristallisationspunkt der Kontroverse, nachdem der Preis an die junge Aktivistin Judith Scheytt wieder entzogen worden war. Zwei weitere Preisträger, die Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block, lehnten ihre Auszeichnung aus Protest öffentlich ab – eine Entscheidung, die eine breite Debatte über die Jury-Entscheidung auslöste.

Die Veranstaltung im ehemaligen Colosseum Theater in Essen ehrte zwar eine Vielzahl digitaler Projekte – von gesundheitsorientierten Social-Media-Kanälen bis hin zu einem historischen Spiel –, doch der Eklat um Scheytts aberkannten Preis überschattete weite Teile der Feier. Die Vorgänge führten zu Forderungen nach Reformen innerhalb der Grimme-Organisation selbst.

Auslöser der Kontroverse war die Rücknahme von Scheytts Auszeichnung durch den unabhängigen Förderverein "Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises". Der Schritt erfolgte nach Vorwürfen des Antisemitismus, wobei Teile der Jury die Entscheidung nicht mittrugen. Die Grimme-Direktorin Çiğdem Uzunoğlu bezeichnete das Verfahren später als "formell inkorrekt" und kündigte an, künftige Entscheidungsprozesse zu überprüfen.

Während der Gala betraten Riesewieck und Block zwar die Bühne, ließen ihren Preis jedoch demonstrativ auf dem Podium liegen, bevor sie die Veranstaltung verließen. Ein Grimme-Mitarbeiter räumte die Trophäe schließlich weg. Ihr Protest sorgte für sofortige Aufmerksamkeit und verstärkte die öffentliche Empörung in sozialen Netzwerken wie Twitter/X und Instagram, wo unter Hashtags wie #JusticeForJudith Solidaritätskampagnen liefen. Medien wie die "FAZ", der "Spiegel" und "t-online" berichteten noch bis weit ins Jahr 2024 über den Streit, der sich erst Anfang 2026 allmählich beruhigte.

Jenseits der Kontroverse würdigten die Awards eine Bandbreite digitaler Projekte. Besonders stark vertreten waren Gesundheits- und Lifestyle-Inhalte, etwa die Instagram-Kanäle "Little Monsters" (Elternratgeber) und "Know & Grow" (Ernährung) sowie die Aufklärungsplattformen "Gynaekollege" (gynäkologische Bildung) und "Femizide stoppen" (Aufklärung über Femizide). Weitere Preisträger waren das Inklusionsprojekt "Barrierebrecher", der politische Podcast "Parlamentsrevue" und das historische Spiel "Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig".

Uzunoğlu nutzte die Veranstaltung, um Reformen anzukündigen: Künftig solle das Grimme-Institut organisatorisch vom Förderverein getrennt werden. Zudem äußerte sie die Hoffnung, Essen könne zum dauerhaften Austragungsort der Preisverleihung werden – ein möglicher Wendepunkt für die künftige Struktur des Festivals.

Die Grimme Online Awards 2023 hinterließen nicht nur wegen ihrer Preisträger Spuren, sondern auch wegen der institutionellen Fragen, die sie aufwarfen. Der Entzug des Preises für Judith Scheytt löste Proteste, Medienkritik und interne Überprüfungen aus und zwang die Organisation, ihre Abläufe zu hinterfragen. Gleichzeitig zeigten die ausgezeichneten Projekte – von Gesundheit über Politik bis hin zu Geschichte – die Vielfalt der heute gewürdigten Online-Inhalte.

Das Erbe der Veranstaltung umfasst somit sowohl ihre kulturellen Leistungen als auch die anhaltende Debatte über Gerechtigkeit bei der Preisvergabe.

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