TwinKomplex: Wie ein Spiel Storytelling und KI zu einem sozialen Experiment verbindet
Mia StollTwinKomplex: Wie ein Spiel Storytelling und KI zu einem sozialen Experiment verbindet
TwinKomplex: Ein neues Online-Spiel verschmilzt Storytelling mit Spielerinteraktion auf ungewöhnliche Weise
In den Räumlichkeiten eines Geheimdienstes am Berliner Flughafen Tempelhof angesiedelt, verbindet das Projekt TwinKomplex künstliche Intelligenz, Echtzeit-Entscheidungen und eine nur zur Hälfte fertige Handlung zu einem ungewöhnlichen Spielerlebnis. Die Nutzer gestalten die Geschichte im Spielverlauf mit – eine Mischung aus Unterhaltung und sozialem Experiment.
Seit dem Start im November ist das Spiel auf Englisch und Deutsch verfügbar und bietet mit Videos, Dokumenten und Audiobotschaften genug Material für drei Monate Spielspaß. Im Mittelpunkt steht die KI Hal 9001, die die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verwischen soll.
Der Philosoph Dr. Martin Burckhardt, der TwinKomplex entwickelte, greift dabei auf jahrzehntealte Ideen zurück. Schon seit den späten 1990er-Jahren träumten Kreative davon, nutzergenerierte Inhalte mit klassischem Fernsehen zu verbinden. Spiele wie Heavy Rain experimentierten bereits mit dieser Mischung, doch TwinKomplex geht einen Schritt weiter: Die Handlung ist nur halb geschrieben – die Spieler füllen die Lücken und prägen so die Welt, in der sie sich bewegen.
Das Konzept knüpft an uralte Erzählprinzipien an. Bereits 335 v. Chr. beschrieb Aristoteles die dramatische Struktur als protasis (Anfang), epitasis (Mitte) und katastrophe (Ende). Hier jedoch bleibt das Ende offen – geformt von denen, die mitspielen.
Mit seiner Kombination aus Medien, KI und spielerischen Entscheidungen hebt sich TwinKomplex von herkömmlichen Spielen ab. Es fungiert zugleich als Experiment des kollektiven Erzählens und als Test, wie Publikum mit sich entwickelnden Geschichten interagiert. Der Erfolg des Projekts könnte davon abhängen, wie die Spieler auf das offene Konzept reagieren.






