Streit um Kürzungen bei Anti-Extremismus-Programm spaltet Politik und Zivilgesellschaft
Mia StollStreit um Kürzungen bei Anti-Extremismus-Programm spaltet Politik und Zivilgesellschaft
Ein politischer Streit ist über die Pläne zur Umstrukturierung der Initiative "Lebendige Demokratie" entbrannt, einem mit jährlich 200 Millionen Euro dotierten Programm, das 2014 ins Leben gerufen wurde. Die Förderung entstand als Reaktion auf die rechtsterroristischen NSU-Morde, um zivilgesellschaftliche Projekte gegen Extremismus zu unterstützen. Nun haben die von der CDU vorgeschlagenen Kürzungen scharfe Kritik von Oppositionsabgeordneten ausgelöst – und sogar für Spannungen innerhalb der SPD gesorgt.
Der Konflikt eskalierte, als Ministerin Karin Prien die Reformen verteidigte und argumentierte, das Programm müsse sich als "lernfähiges System" weiterentwickeln. Zwar räumte sie ein, dass einige Teile erfolgreich gewesen seien, doch ihre Äußerungen stießen auf sofortigen Widerspruch. Die SPD-Abgeordnete Saskia Esken warnte, plötzliche Kürzungen würden zivilgesellschaftliche Gruppen in "tiefe Unsicherheit" stürzen. Als Beispiel nannte sie HateAid, eine Organisation, die sich gegen Hass im Netz engagiert und nun um ihre Existenzfürsorge fürchte.
Clara Bünger von der Linken ging noch weiter und warf der CDU/CSU vor, die Zivilgesellschaft "bewusst zu schwächen" – ein Schritt, der ihrer Meinung nach indirekt der rechtspopulistischen AfD zugutekomme. Die AfD hingegen begrüßte Priens Pläne. Der Abgeordnete Kay Gottschalk bedankte sich "von Herzen", während Martin Reichardt die "komplette Abschaffung" des Programms forderte.
Innerhalb der SPD fielen die Reaktionen gespalten aus. Felix Döring unterstützte zunächst die Position der CDU, stellte später jedoch infrage, ob das Programm tatsächlich gescheitert sei. Unter Druck gerieten die SPD-Abgeordneten in die Debatte, wie sie auf einen Antrag der Linken reagieren sollten – ob sie Widerstand leisten, sich zurückhalten oder schweigen sollten. Auch in der Öffentlichkeit formierte sich schnell Widerstand: Eine Petition gegen die Kürzungen sammelte innerhalb von nur zwei Tagen fast 45.000 Unterschriften.
Der Streit hat tiefe Gräben offenbart, wie die Finanzierung von Anti-Extremismus-Arbeit künftig aussehen soll. Während die AfD die Kürzungen offen unterstützt und zivilgesellschaftliche Gruppen vor schweren Folgen warnen, bleibt die Zukunft der Initiative "Lebendige Demokratie" ungewiss. Die Regierung steht zunehmend unter Druck, ihre nächsten Schritte klar zu benennen.






