"Sancta" an der Staatsoper Stuttgart polarisiert mit radikaler Hindemith-Neuinszenierung
Mia Stoll"Sancta" an der Staatsoper Stuttgart polarisiert mit radikaler Hindemith-Neuinszenierung
Eine mutige Neuinszenierung an der Staatsoper Stuttgart sorgt für Begeisterung und Kontroversen.Sancta, unter der Regie von Florentina Holzinger, interpretiert eine einst verbotene Oper neu und sprengt künstlerische Grenzen. Die Premiere spaltete das Publikum – einige Zuschauer benötigten sogar medizinische Hilfe wegen der intensiven Darbietung.
Die Produktion ist eine radikale Neuerfindung von Paul Hindemiths Sancta Susanna, einem 1921 wegen angeblicher Gotteslästerung zensierten Werk. Holzinger dreht die Erzählung um und rückt Frauen in den Mittelpunkt einer Geschichte, die traditionelle christliche Motive herausfordert. Zu sehen sind Nacktheit, inszenierte Verletzungen und Körperaufhängungen – Bilder, die an Christi Leiden und Erlösung anknüpfen.
Dirigentin Marit Strindlund, die bereits mit Holzinger an Ophelia's Got Talent zusammenarbeitete, beschreibt das Werk als inklusiv, aufklärerisch und zutiefst fesselnd. Gleichzeitig räumt sie ein, dass die Inszenierung Anpassungen an ihren unkonventionellen Stil und die provokanten Bilder erfordere.
Intendant Viktor Schoner lobt Sancta als Meilenstein für das Haus. Die Produktion breche mit opernhaften Konventionen, ohne künstlerische Ansprüche zu vernachlässigen. Die Wirkung der Premiere war unmittelbar: Mehrere Zuschauer mussten ärztlich versorgt werden – ein Beleg für die körperlich spürbare Intensität der Aufführung.
Gezeigt wird Sancta am 3., 4. und 5. Oktober; die Vorstellungen im November sind bereits ausverkauft. Für die Oktober-Termine sind noch Karten erhältlich.
Mit ihrer Mischung aus Provokation und Kunst hat die Inszenierung Stuttgart als Ort für experimentelles Musiktheater in den Fokus gerückt. Durch ihren konfrontativen Ansatz und die ausverkauften November-Daten hat sich Sancta als prägender Moment für die Oper etabliert. Das Publikum kann eine Darstellung erwarten, die ebenso herausfordert wie sie fasziniert.






