Neues Wehrdienstmodell: Bundeswehr setzt auf Online-Fragebogen für 18-Jährige
H.-Dieter HuhnNeues Wehrdienstmodell: Bundeswehr setzt auf Online-Fragebogen für 18-Jährige
Deutschland führt ein neues Wehrdienstmodell für junge Männer ein, die 2008 oder später geboren wurden. Mit dem 18. Geburtstag erhalten sie nun einen Online-Fragebogen, der ihre körperliche Eignung, Motivation und Bereitschaft zum Dienst bewertet. Die Bundeswehr nutzt diese Daten, um potenzielle Kandidaten für weitere Tests zu ermitteln.
Das Vorhaben zielt darauf ab, die Streitkräfte auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten auszubauen, unterstützt von 200.000 Reservisten. Eine gut ausgebildete Reserve würde im Krisenfall eine schnelle Verstärkung ermöglichen.
Das System stellt einen Wandel gegenüber früheren Regelungen dar. Seit Januar muss jeder 18-jährige Mann den Fragebogen ausfüllen, der persönliche Angaben, den Gesundheitszustand und die Bereitschaft zum Wehrdienst abfragt. Anhand der Antworten wird entschieden, ob eine persönliche Eignungsprüfung folgt.
Moritz Gericke, inzwischen 18, und Nico Freudensprung, 17, gehören zur ersten Gruppe, die von der Neuregelung betroffen ist. Beide räumen ein, dass die meisten ihrer Altersgenossen zögern, beizutreten – vor allem wegen des eigentlichen Zwecks der militärischen Ausbildung: der Vorbereitung auf den Krieg. Nico gibt zu, dass zwar die Grundausbildung Spaß machen könnte, die Gefahr von Gefechtsopfern jedoch eine große Abschreckung darstellt.
Nico schlägt zudem vor, die Bezahlung zu verbessern, um den Wehrdienst attraktiver zu gestalten. Trotz des Fragebogens bleibt der Dienst unter den aktuellen politischen Vorgaben freiwillig. Eine allgemeine Wehrpflicht würde erst greifen, wenn die freiwillige Rekrutierung die Ziele nicht erreicht.
Mit dem neuen Ansatz will die Bundeswehr eine größere und leistungsfähigere Truppe aufbauen. Durch die frühzeitige Erfassung junger Männer kann das Militär potenzielle Rekruten besser identifizieren und ausbilden. Der Erfolg des Modells hängt davon ab, ob sich genug Freiwillige melden – oder ob am Ende doch die Wehrpflicht eingeführt werden muss.






