16 March 2026, 10:32

Neues Theater Senftenberg: Intendant Daniel Ris verlässt 2026 das Haus nach Reformstreit

Ein altes Schwarz-Weiß-Foto des Auditoriums der Royal Albert Hall in London, das die Bühne mit Reihen von Stühlen, Säulen, Geländern und Text und einem Logo unten zeigt, mit einem dunklen Hintergrund.

Neues Theater Senftenberg: Intendant Daniel Ris verlässt 2026 das Haus nach Reformstreit

Das Neue Theater Senftenberg macht wieder Schlagzeilen – wie in seinen DDR-Glanzzeiten

Das Neue Theater Senftenberg sorgt erneut für Gesprächsstoff, ähnlich wie in seinen erfolgreichsten Tagen der DDR. Der aktuelle Intendant Daniel Ris wird seinen Posten im Juli 2026 verlassen, nachdem sein Vertrag nicht verlängert wurde. Gleichzeitig löst die jüngste Produktion des Hauses mit ihrer Satire auf die militante Sportkultur der DDR lebhafte Diskussionen aus.

Die Entscheidung fällt nach Jahren steigender Zuschauerzahlen und mutiger Programmgestaltung unter Ris' Leitung. Die lokalen Verantwortlichen begründen den Schritt nun mit der Notwendigkeit struktureller Reformen und neuer Führung.

Daniel Ris übernahm 2022 die Intendanz des Neuen Theaters Senftenberg und zog schnell Aufmerksamkeit auf sich – etwa mit ambitionierten Saisoneröffnungen an historischen Orten. Sein Ansatz steigerte den Kartenverkauf und erhöhte die Eigenmittel des Hauses. Doch im März 2023 teilten ihm Stadt und Landkreis mit, dass sein ursprünglich bis 2027 laufender Fünfjahresvertrag nicht über Juli 2026 hinaus verlängert werde.

Die Ankündigung erfolgte ohne detaillierte öffentliche Begründung, was Spekulationen anheizte. Manche vermuten, dass Ris' offene Haltung gegen rechtsextreme Tendenzen in der von der AfD geprägten Region eine Rolle spielte. Andere verweisen auf sein unkonventionelles Wesen und seine deutliche Kritik an Extremismus. Senftenbergs Bürgermeister betonte zwar, Ris' künstlerische Fähigkeiten seien nie infrage gestellt worden, deutete aber "Haltungsfragen" und Effizienzdefizite an.

Ris widersprach Ende August den Vorwürfen mangelnder Führungskompetenz, uneinsichtigen Verhaltens oder struktureller Versäumnisse. Auch den Vorwurf, einen finanziellen Schaden von 250.000 Euro verursacht zu haben, wies er zurück. Trotz seiner Frustration konzentriert er sich auf seine vierte Spielzeit und hat bereits erste Bewerbungsgespräche für neue Aufgaben geführt.

Stadt und Landkreis planen nun eine Umstrukturierung des Theaterbetriebs. Geplant sind eine engere Verzahnung mit regionalen Kulturstrategien, Kosteneinsparungen durch gebündelte Verwaltungsaufgaben und ein stärker interdisziplinärer Programmansatz. Die Ausschreibung für die Nachfolge als Intendant soll bis März 2026 erfolgen.

Auf der Bühne eröffnet Ris' letzte Spielzeit mit einer provokanten Produktion, die das starre Sportfördersystem der DDR persifliert. Die Inszenierung mit acht Darstellern verbindet Humor mit scharfen Fragen zu Doping, blinder Leistungsorientierung und dem Erbe der DDR-Sportkultur. Die Debatte, die sie auslöst, spiegelt den eigenen Übergang des Theaters wider – zwischen vergangenen Erfolgen und einer ungewissen Zukunft.

Ab Mitte 2026 wird das Neue Theater Senftenberg unter neuer Leitung weitergeführt, nach einer Phase des Wachstums und der Kontroversen. Die strukturellen Reformen zielen auf effizientere Abläufe und eine stärkere Ausrichtung an regionalen Kulturzielen. Ris hinterlässt ein Erbe steigender Zuschauerzahlen und kühner Programmideen – während die Gründe für seinen Abgang weiterhin lokal diskutiert werden.

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