Apothekenreform: SPD-Politikerin hört Sorgen der Apotheker vor entscheidender Abstimmung
Mia StollApothekenreform: SPD-Politikerin hört Sorgen der Apotheker vor entscheidender Abstimmung
Vor den entscheidenden parlamentarischen Debatten zur Apothekenreform in Deutschland besuchte die SPD-Abgeordnete Rasha Nasr die Knut-Apotheke in Dresden, um sich direkt von Apothekern über deren Anliegen zu informieren. Der Besuch erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem die Diskussionen über die geplante Reform dringlicher werden – insbesondere wegen wachsender Sorgen um faire Vergütung und Personalmangel in der Branche.
Apothekeninhaber Michael Gäbe nutzte das Gespräch, um auf die seit Langem bestehenden finanziellen Belastungen unabhängiger Apotheken hinzuweisen. Er warnte, dass ohne angemessene Anpassungen der Gebühren die Qualität der Patientenversorgung leiden werde. Zudem kritisierte Gäbe Pläne, die Aufgaben von Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) auszuweiten. Solche Maßnahmen gingen am eigentlichen Problem vorbei: dem Mangel an qualifiziertem Personal.
Während der Diskussion betonte Gäbe, dass Apotheken eine zentrale Rolle als erste Anlaufstellen im Gesundheitswesen spielen. Sie helfen, gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten zu vermeiden, und entlasten damit Ärzte und Krankenhäuser. Er forderte stärkere wirtschaftliche Unterstützung für Apotheken, um ihnen mehr Verantwortung zu ermöglichen, ohne ihre finanzielle Stabilität zu gefährden.
Die Debatte um die Reform hat sich seit 2021 deutlich gewandelt. Anfangs standen Deregulierungsvorschläge im Mittelpunkt, etwa die Ausweitung des Versandhandels und der Abbau von Marktzutrittsbarrieren für neue Apotheken. Doch bis 2024 verschob sich die Diskussion durch Widerstand aus Ländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen auf die Bundesebene. Apothekerverbände, darunter die ABDA, setzen sich dafür ein, strenge Abgaberegeln beizubehalten, den Online-Umsatz auf 50 Prozent zu begrenzen und kleine Apotheken vor großen Ketten zu schützen.
Nasr, die selbst keine fachliche Vorbildung in Gesundheitspolitik hat, hörte Gäbes Bedenken aufmerksam an. Sie versprach, die Argumente der Apotheker nach Berlin zu tragen, wo die Abgeordneten die Reform finalisieren sollen.
Der Besuch unterstrich die Spannungen zwischen Sparmaßnahmen und der Notwendigkeit, hohe Standards in der Apothekenversorgung aufrechtzuerhalten. Angesichts der bevorstehenden parlamentarischen Entscheidungen wird das Ergebnis darüber bestimmen, wie Apotheken künftig arbeiten – und ob sie ihre Rolle als vertrauenswürdige Anbieter im Gesundheitswesen weiter ausfüllen können. Gäbes Warnungen zu Personal und Finanzierung liegen nun in den Händen der Entscheidungsträger in der Hauptstadt.






