1.200 Apotheken kämpfen gegen tausende Euro Rückforderungen wegen fehlender Chargennummern
Lidia Hartung1.200 Apotheken kämpfen gegen tausende Euro Rückforderungen wegen fehlender Chargennummern
Rund 1.200 Apotheken in ganz Deutschland sehen sich mit Rückforderungsansprüchen konfrontiert, weil auf E-Rezepten Chargennummern fehlen. Das Problem trat erstmals Anfang 2025 auf – inzwischen fordern Krankenkassen tausende Euro von betroffenen Betrieben zurück. Ein Apotheker in Rheinland-Pfalz erhielt bereits eine Rechnung über knapp 10.000 Euro.
Ausgelöst wurde die Situation im Februar 2025, als Versicherer E-Rezepte ohne patientenbezogene Chargennummern beanstandeten. Die Landwirtschaftliche Sozialversicherung (SVLFG) verschickte Ende des Jahres Bescheide, vor allem bei teuren Medikamenten wie Imraldi 40 mg und Pemazyre 9 mg. Dr. Eyas Dayyoub, Inhaber der Seebach-Apotheke in Westhofen, gehörte zu den Ersten, die Forderungen in Höhe von fast 10.000 Euro erhielten.
Allein in Rheinland-Pfalz sind etwa 30 Apotheken betroffen, ähnliche Fälle gibt es in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Dayyoub vermutet, dass die Fehler auf Unachtsamkeit des Personals oder ein Systemproblem zurückgehen. Er hat bereits Widerspruch eingelegt und ist bereit, notfalls vor Gericht zu ziehen.
Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hält die Rückforderungen für ungerechtfertigt. Die Kassen erlitten keinen finanziellen Schaden, und die Arzneimittelsicherheit sei nicht beeinträchtigt, argumentiert der Verband. Gleichzeitig wird eine Muster-Widerspruchsvorlage erarbeitet, um betroffene Apotheken bei der Abwehr der Forderungen zu unterstützen.
Laut geltendem Recht dürfen Krankenkassen Rückzahlungen verlangen, wenn Chargennummern fehlen – besonders bei hochpreisigen Medikamenten. Apotheken sind jedoch gesetzlich verpflichtet, diese Angaben auf E-Rezepten zu dokumentieren.
Streitpunkt ist, ob Versicherer Rückforderungen wegen eines formalen Mangels durchsetzen dürfen, der keine finanziellen Folgen hat. Mit über 1.200 betroffenen Apotheken könnte das Ergebnis der Widersprüche und möglicher Klagen richtungsweisend werden. Bis dahin müssen die Betriebe auf die Forderungen reagieren – oder riskieren weitere Abzüge.






