Weibliche Genitalverstümmelung: Warum Millionen Mädchen weiter gefährdet sind
Lidia HartungWeibliche Genitalverstümmelung: Warum Millionen Mädchen weiter gefährdet sind
Trotz anhaltender Bemühungen, die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) zu beenden, bleibt sie eine weltweite Krise. Die Vereinten Nationen haben sich das Ziel gesetzt, FGM bis 2030 abzuschaffen – doch der Fortschritt stockt, während jedes Jahr Millionen Mädchen weiter gefährdet sind. Finanzierungsengpässe und steigende Fallzahlen bedrohen jahrelange Kampagnen gegen diese schädliche Tradition.
Weltweit haben über 230 Millionen Frauen und Mädchen FGM über sich ergehen lassen müssen, allein im letzten Jahrzehnt kamen 30 Millionen hinzu. Die Praxis, oft vor der Pubertät durchgeführt, umfasst nicht-medizinische Veränderungen der äußeren Genitalien. Die Folgen reichen von chronischen Schmerzen und Infektionen bis hin zu schweren Komplikationen bei der Geburt und langfristigen psychischen Traumata.
Das Problem breitet sich über die traditionellen Regionen hinaus aus: Inzwischen ist FGM in mindestens 94 Ländern dokumentiert. Doch nur 58 Staaten haben explizite gesetzliche Verbote erlassen. In Europa leben etwa 600.000 Mädchen und Frauen mit den Folgen des Eingriffs.
Besorgniserregend ist der Trend zur zunehmenden Medikalisierung von FGM, bei der ausgebildete Fachkräfte die Verstümmelungen vornehmen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass dies in jedem vierten Fall geschieht. Diese Entwicklung könnte die Praxis gesellschaftsfähiger erscheinen lassen und ihre Gefahren hinter einem scheinbar medizinischen Deckmantel verbergen.
Jährlich sind 4,4 Millionen Mädchen von FGM bedroht, doch Präventionsprogramme leiden unter massiver Unterfinanzierung. Ohne dringendes Handeln könnte das UN-Ziel, FGM bis 2030 auszurotten, in weite Ferne rücken.
Der Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung steht vor großen Herausforderungen: steigende Fallzahlen, die wachsende Beteiligung von medizinischem Personal und rechtliche Lücken in vielen Ländern lassen Millionen Mädchen schutzlos. Gleichzeitig behindern Finanzierungsengpässe die Präventionsarbeit. Ohne entschlossenes globales Handeln wird sich diese schädliche Praxis voraussichtlich noch Jahre lang halten.
