Vatikan blockiert Laienpredigten: Deutsche Kirche in der Reformkrise
H.-Dieter HuhnVatikan blockiert Laienpredigten: Deutsche Kirche in der Reformkrise
Der Vatikan hat einen Antrag der deutschen Bischofskonferenz abgelehnt, Laien in Ausnahmefällen die Predigt während der Messe zu gestatten. Die Entscheidung wurde in einem Schreiben von Kardinal Arthur Roche, dem Präfekten des Dikasteriums für Gottesdienst und Sakramentendiszplin, vom 17. Juni mitgeteilt. Der Beschluss fällt in eine Zeit andauernder Debatten innerhalb der deutschen Kirche über eine stärkere Einbindung von Laien in die Liturgie.
Die deutsche Bischofskonferenz hatte vorgeschlagen, qualifizierten Laien zu erlauben, in sonntäglichen und feierlichen Messen die Homilie zu halten, sofern seelsorgerische Notwendigkeiten dies erfordern. Dieser Vorschlag entstand im Rahmen des „Synodalen Wegs“, eines Reformprozesses, der von Papst Franziskus kritisiert wurde, da er seiner Meinung nach eher von Ideologie als vom Glauben geprägt sei. In seinem Schreiben betonte Kardinal Roche, dass ein vorübergehender Priestermangel keine Änderung der geltenden Regelungen rechtfertige, da die Predigt ein wesentlicher Bestandteil der Wortgottesfeier sei.
Das Dikasterium bekräftigte, dass gemäß dem Kirchenrecht (Codex Iuris Canonici) nur Priester oder Diakone predigen dürfen. Kardinal Roche erklärte, diese Regelung sei nicht bloße Disziplinarfrage, sondern in der liturgischen Natur der Homilie selbst begründet. Die Entscheidung löste scharfe Reaktionen aus: Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDF) verurteilte sie als Beweis für die Ausgrenzung von Frauen aus zentralen kirchlichen Ämtern.
Irme Stetter-Karp, Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), kündigte an, das Thema weiterhin mit den deutschen Bischöfen voranzutreiben. Die Debatte spiegelt die Spannungen zwischen lokalen Reformbestrebungen und der Autorität des Vatikans in liturgischen Fragen wider.
Mit seiner Entscheidung hält der Vatikan an der bestehenden Beschränkung fest, wonach nur geweihte Kleriker die Predigt halten dürfen. Deutsche katholische Gruppen haben bereits signalisiert, dass sie sich weiterhin für eine Änderung einsetzen werden. Die Ablehnung unterstreicht den grundsätzlichen Konflikt zwischen traditionellen liturgischen Normen und Forderungen nach einer stärkeren Beteiligung von Laien in der Kirche.
