04 February 2026, 15:34

Umstrittene Gasbohrungen im Waddenmeer: Warum Niedersachsen trotz Protesten auf Förderpläne setzt

Zwei Männer auf einer Leiter, einer spritzt Wasser aus einem Rohr auf den anderen, mit einer Wand, Tür und einem Zaun im Hintergrund und Text unten mit der Aufschrift "einer der Vorteile von öl gegenüber Gas".

Umstrittene Gasbohrungen im Waddenmeer: Warum Niedersachsen trotz Protesten auf Förderpläne setzt

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies treibt ein umstrittenes Gasbohrprojekt im Waddenmeer voran – trotz jahrelanger Proteste. Der einst scharfe Kritiker änderte nach Russlands Angriff auf die Ukraine und der daraus resultierenden Gaskrise seine Haltung. Die Entscheidung löste juristische Auseinandersetzungen, Demonstrationen und Sorgen um den Schutz des UNESCO-geschützten Gebiets aus.

Noch 2020 hatte Lies die Pläne zur Gasförderung als "abwegig" abgetan und vor Risiken für das fragile Ökosystem des Waddenmeers gewarnt. Doch bereits im Mai 2022, nach EU-weiten Umweltprüfungen, genehmigte er das Vorhaben des niederländischen Unternehmens One-Dyas B.V., einer Tochterfirma von ExxonMobil. In den folgenden zwei Jahren verteidigte er die Entscheidung vor Gericht und erreichte 2024 ein Bundesurteil, das die Bohrungen erlaubte. Im März soll der Bundesrat nun einen Vertrag mit den Niederlanden finalisieren, der die Einnahmenverteilung und Aufsicht regelt.

Der Widerstand bleibt massiv. Umweltverbände wie DUH, BUND, Greenpeace und Fridays for Future kämpfen seit vier Jahren gegen das Projekt. Zwar laufen noch Klagen, doch die Landesbergbehörde hat die sofortige Vollziehung der Genehmigung angeordnet – One-Dyas darf mit den Bohrungen beginnen, während die Prozesse weiterlaufen. Kritiker setzen nun ihre letzte Hoffnung auf den Bundesrat, doch dessen Zusammensetzung könnte sich nach den anstehenden Landtagswahlen ändern.

Lies argumentiert, strengere Meeresnaturschutzgesetze würden teure Entschädigungsforderungen von One-Dyas nach sich ziehen und Schutzmaßnahmen verzögern. Eine interne Prüfung seines Ministeriums beziffert das finanzielle Risiko Niedersachsens auf 2 bis 17 Millionen Euro – ein Bruchteil der 500 Millionen Euro, die das Unternehmen investiert. Selbst im optimistischsten Szenario würde das Gasfeld nur 3 Prozent des deutschen Bedarfs decken.

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Das Projekt schreitet mit juristischer und politischer Rückendeckung voran, doch Proteste und Klagen halten an. Die Bohrungen könnten bald beginnen, wobei die anstehende Abstimmung im Bundesrat die letzte Hürde für die Gegner darstellt. Die Entscheidung wird zeigen, ob strengere Naturschutzregeln oder die Erschließung des Gasfelds Vorrang erhalten.