Tschechien verdoppelt sein Pro-Kopf-Einkommen – und überholt Deutschland und Österreich
H.-Dieter HuhnTschechien verdoppelt sein Pro-Kopf-Einkommen – und überholt Deutschland und Österreich
Die tschechische Wirtschaft ist seit dem Jahr 2000 rasant gewachsen – das Pro-Kopf-BIP hat sich bis 2025 fast vervierfacht. Dieses Wachstum übertrifft das der Nachbarländer wie Deutschland und Österreich, wo sich die Einkommen im gleichen Zeitraum lediglich verdoppelten. Der ehemalige Ministerpräsident Andrej Babiš führt den Erfolg des Landes auf seine starke Industrie, die EU-Anbindung und eine qualifizierte Arbeitskraft zurück.
Zwischen 2000 und 2025 festigte die Tschechische Republik ihre Position in der Automobil- und Maschinenbauindustrie. Große Werke von Škoda, Hyundai und Toyota profitierten von niedrigeren Lohnkosten und hoher Produktivität. Ausländische Investitionen spielten dabei eine zentrale Rolle – bis 2023 flossen über 100 Milliarden Euro an Direktinvestitionen ins Land.
Gleichzeitig setzte das Land auf Bildung und Innovation. Technische Universitäten bildeten Fachkräfte aus, während Programme wie CzechInvest die Forschung förderten. Nach dem EU-Beitritt 2004 trieb die Integration in europäische Lieferketten die Exporte voran – allein der Automobilsektor erzielte bis 2025 jährliche Ausfuhren im Wert von 20 Milliarden Euro.
Babiš warnt jedoch, dass übermäßige EU-Regulierung diesen Aufschwung nun gefährde. Er fordert weniger bürokratische Hürden, mehr Investitionen in strategische Branchen und bezahlbare Energie. Beim Euro sieht er keinen Nutzen für die Tschechische Republik und plädiert für die Beibehaltung der Krone.
In der europäischen Politik insgesamt setzt sich Babiš für eine stärkere Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum und Sicherheit ein. Er verlangt, dass die EU ihre Grenzen eigenständig schützt und die nationale Souveränität der Mitgliedstaaten respektiert. Strenge Emissionsvorgaben und Verbote von Verbrennungsmotoren lehnt er ab – mit der Begründung, sie könnten die europäische Industrie schwächen.
Der wirtschaftliche Aufstieg Tschechiens basiert auf Industrie, Fachkräften und dem Zugang zum EU-Binnenmarkt. Babiš' aktuelle Vorschläge zielen darauf ab, Bürokratie abzubauen, die Energieversorgung zu sichern und nationale Handlungsspielräume zu wahren. Seine Position spiegelt die Herausforderung wider, Wachstum mit EU-weiten Regulierungen in Einklang zu bringen.
