TikTok-Nutzung bei Jugendlichen in Niedersachsen verdoppelt – wie Algorithmen Meinungen prägen
Mia StollTikTok-Nutzung bei Jugendlichen in Niedersachsen verdoppelt – wie Algorithmen Meinungen prägen
Nutzung von TikTok und ähnlichen Kurzvideo-Plattformen unter Jugendlichen in Niedersachsen stark gestiegen
In den vergangenen fünf Jahren hat die Nutzung von TikTok und vergleichbaren Kurzvideo-Plattformen unter jungen Menschen in Niedersachsen stark zugenommen. Während 2021 nur 35 Prozent der 12- bis 17-Jährigen die App täglich nutzten, lag dieser Wert 2026 laut der aktuellen JIM-Studie bereits bei 72 Prozent. Dieser deutliche Anstieg spiegelt bundesweite Trends wider – Plattformen wie Instagram Reels oder YouTube Shorts prägen mittlerweile den Alltag von Jugendlichen.
Um den Umgang mit Online-Inhalten zu thematisieren, veranstaltete das Netzwerk zur Stärkung demokratischer Strukturen in Celle kürzlich eine Veranstaltung unter dem Titel "Extremismus auf TikTok und anderen Plattformen". Dabei kamen Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie lokale Akteurinnen und Akteure zusammen, um zu diskutieren, wie soziale Medien Meinungen formen und problematische Narrative verbreiten.
Algorithmen und radikale Inhalte im Fokus Der Vormittag richtete sich an Neunt- und Zehntklässler dreier Celleer Schulen: der KAV, des Ernestinums und der OBS Welfenallee. Die Jugendlichen analysierten ihre persönlichen "Für-dich"-Feeds und untersuchten, wie Algorithmen Inhalte auswählen – und wie extremistische Botschaften unauffällig in den täglichen Medienkonsum geraten. Viele waren überrascht, wie leicht politisch vereinfachte, emotional aufgeladene und quellenlose Posts ihre eigene Meinung beeinflussen können.
Am Nachmittag folgten Workshops für Lehrkräfte, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter sowie Vertreter aus der Kommunalpolitik. Im Mittelpunkt standen digitale Radikalisierung und die Frage, wie Algorithmen spaltende Inhalte verstärken. Zudem wurden Strategien für Gegenrede und einen verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien erarbeitet.
Bewusstsein schaffen statt Verbote Die Veranstalter betonten, es gehe nicht darum, die Nutzung der Plattformen zu verteufeln, sondern um Aufklärung. Wer verstehe, wie Inhalte verbreitet werden, könne extremistische Taktiken besser erkennen und Online-Inhalte kritischer hinterfragen.
Das Netzwerk zur Stärkung demokratischer Strukturen beendete die Veranstaltung mit einem Dank an die engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die hohe Beteiligung zeige, wie groß die Sorge um die Folgen unkontrollierten Medienkonsums bei Jugendlichen sei.
Kurzvideos als prägende Kraft Die Veranstaltung machte deutlich: Kurzvideo-Plattformen sind längst fester Bestandteil im Leben junger Menschen. Bei einer Verdopplung der täglichen Nutzung innerhalb von fünf Jahren prägen Apps wie TikTok, wie Heranwachsende kommunizieren, lernen und sich eine Meinung bilden. Schulen und lokale Initiativen in Celle wollen die Diskussionen fortsetzen und Medienkompetenz fest in zukünftige Programme integrieren – damit Jugendliche digitale Räume selbstbewusster und kritischer nutzen können.






