Telematikinfrastruktur: Frist für Therapeuten und Hilfsmittelanbieter auf Oktober 2027 verschoben
H.-Dieter HuhnTelematikinfrastruktur: Frist für Therapeuten und Hilfsmittelanbieter auf Oktober 2027 verschoben
Die deutsche Bundesregierung hat die Frist für Therapeuten und Anbieter medizinischer Hilfsmittel zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) des Landes verschoben. Ursprünglich für einen früheren Zeitpunkt vorgesehen, gilt als neuer Stichtag nun der 1. Oktober 2027. Von der Entscheidung betroffen sind etwa 90.000 Leistungserbringer in der Branche.
Als Begründung für die Verlängerung nannten Behörden anhaltende Herausforderungen. Zu den zentralen Problemen zählen die geringe Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA), ungelöste regulatorische Hürden sowie Lücken im Datenschutzrecht nach der DSGVO. Trotz dieser Schwierigkeiten betonte die Regierung die potenziellen Vorteile: eine verbesserte Patientensicherheit, die nahtlose Integration von E-Rezepten in ePA-Apps und eine insgesamt höhere Akzeptanz digitaler Gesundheitsdaten.
Die Verzögerung belastet einige Unternehmen finanziell. Der IT-Dienstleister Cherry rechnet aufgrund der Fristverschiebung mit erheblichen Umsatzeinbußen. Als Reaktion hat das Unternehmen Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen abzufedern – etwa durch die beschleunigte Umsetzung lukrativer Ersatzprojekte und die Priorisierung von Softwarelösungen wie dem Terminal-Management-System (TMS) und dem TI Messenger (TIM). Letzterer, TIM.Pro, erhielt kürzlich die gematik-Zertifizierung, einen wichtigen Meilenstein für die Konformität.
Die Reaktionen auf die Fristverlängerung fallen gemischt aus. Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten begrüßte die zusätzliche Zeit als notwendig für die Modernisierung der Infrastruktur. Gleichzeitig rief das Deutsche Medizinrechenzentrum (DMRZ) die Leistungserbringer dazu auf, die TI bereits vor dem neuen Stichtag freiwillig einzuführen.
Mit dem neuen Termin im Oktober 2027 haben die Anbieter nun mehr Zeit, um technische und regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Die Verschiebung soll den Übergang erleichtern und gleichzeitig die Zuverlässigkeit des Systems sichern. Für Unternehmen wie Cherry bleibt die Anpassung an die Veränderungen und die Bewältigung der finanziellen Rückschläge vorrangig.
