Streit um CDU-AfD-Foto: Warum eine Schulterberührung die Republik spaltet
Lidia HartungStreit um CDU-AfD-Foto: Warum eine Schulterberührung die Republik spaltet
Ein Foto, das den CDU-Politiker Guido Heuer und den AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund bei einer Podiumsdiskussion in Berlin zeigt, hat für Empörung gesorgt. Auf der Aufnahme ist zu sehen, wie Heuer Siegmund die Hand auf die Schulter legt – eine Geste, die scharfe Kritik von politischen Gegnern auslöste. Die Kontroverse kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die AfD in bundesweiten Umfragen zulegt und in Sachsen-Anhalt einer möglichen absoluten Mehrheit nahekommt.
Das Foto entstand während einer Diskussion, bei der ein defektes Mikrofon Heuer und Siegmund zwang, sich nah zueinander zu beugen. Ihre entspannte und kollegiale Körpersprache wurde festgehalten, mit Heuers Hand auf Siegmunds Schulter. Das Bild verbreitete sich rasant und zog heftige Verurteilungen von linksgerichteten Politikern nach sich.
Eva von Angern von der Linken nannte die Aufnahme „inakzeptabel“. Eine solche Szene dürfe es nicht geben, erklärte sie – die Hand eines Demokraten habe auf einem AfD-Mitglied nichts verloren. Felix Banaszak von den Grünen pflichtete ihr bei und warnte, das Foto zeige, wie die politische Distanz zwischen CDU und AfD schwinde.
Aktuell ist die AfD mit 29 Prozent in den Umfragen die stärkste Partei Deutschlands – neun Punkte vor der CDU. In Sachsen-Anhalt liegt sie vor der Landtagswahl am 6. September sogar in Reichweite einer absoluten Mehrheit. Unterdessen hinterfragte ZDF-Moderator Markus Lanz die Praxis, AfD-Politiker öffentlich zu meiden, und deutete an, dass der politische „Cordon sanitaire“ in Berlin bröckle.
Das Foto ist zum Symbol für die bröckelnden Grenzen zwischen etablierten Parteien und der AfD geworden. Kritiker warnen, es normalisiere die rechtsextreme Partei in einer Phase, in der sie an Wählerzustimmung gewinnt. Der Vorfall spiegelt die wachsenden Spannungen wider, wie mit einer Kraft umzugehen ist, die nun an der Spitze der Umfragen steht.






