Schröder attackiert SPD: "Verloren den Bezug zur Realität"
Altkanzler Gerhard Schröder hat die SPD aufgefordert, zu mutigen Reformen zurückzukehren, und die aktuelle Ausrichtung der Partei scharf kritisiert. Er wirft ihr vor, den Bezug zur Lebensrealität der Menschen verloren zu haben und sich zu sehr in Kleinigkeiten zu verlieren. Seine Äußerungen decken sich mit jüngsten Bemerkungen von Cem Özdemir in Baden-Württemberg, der der SPD eine Entfremdung von den Wählern vorwarf.
Schröder forderte die SPD auf, eine neue Agenda-Politik zu verfolgen – ähnlich seiner Agenda 2010 aus dem Jahr 2003. Damals hatte er das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre angehoben und private Altersvorsorge gefördert. Unter Kanzler Olaf Scholz hingegen hat die Partei einen Kurswechsel vollzogen und setzt nun auf den Schutz der gesetzlichen Rente: Mit der Initiative Rentenschild soll bis 2039 eine Netto-Rente von 48 Prozent garantiert werden – finanziert durch höhere Steuern.
Kritik übte Schröder auch an der Doppelspitze der SPD und schlug vor, stattdessen Vizekanzler Lars Klingbeil zu unterstützen. Zudem forderte er eine erneute Debatte über das Renteneintrittsalter und warf der Partei vor, Reformen nur zögerlich anzugehen. Politik, so Schröder, müsse dem Land dienen – nicht Parteiinteressen.
Mit Verweis auf seinen berühmten Wahlabend-Spruch von 1998 betonte er, Regieren bedeute, sich mit dem echten Leben auseinanderzusetzen – und nicht nur mit Parteiprogrammen. Die SPD vernachlässige die Wirtschaft und verliere den Blick für praktische Belange, so sein Vorwurf. Ohne echten Reformwillen drohe der Partei ein weiterer Niedergang.
Schröders Äußerungen unterstreichen die Kluft zwischen dem aktuellen Kurs der SPD und seinen früheren Reformen. Sein Appell für eine neue Agenda-Politik spiegelt die Frustration über die Abkehr von sparsamkeitsorientierten Veränderungen wider. Die Debatte über Rentenpolitik und wirtschaftliche Prioritäten wird die SPD voraussichtlich weiter beschäftigen.






