21 December 2025, 00:59

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Verlangen

Drei Frauen auf der Bühne, die Geigen spielen, mit Notenpulten und Noten davor, während ein Zuschauer im Vordergrund sitzt; eine Uhr hängt an der weißen Wand im Hintergrund, und ein weißer Vorhang ist links sichtbar.

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Verlangen

"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Begehren

Was tun mit einem Skandalwerk von vor 100 Jahren, wenn der Skandal verflogen ist? An der Komischen Oper Berlin präsentiert Evgeny Titov eine neue Deutung von Richard Strauss’ Salome – gesangsfreundlich und mit frischem Blick.

Evgeny Titov hat an der Komischen Oper Berlin eine kühne Neuinszenierung von Salome auf die Bühne gebracht. Die am 22. November 2025 uraufgeführte Produktion deutet Strauss’ umstrittenes Werk mit einer markanten modernen Vision neu. Die Oper, einst in Wien verboten und in Berlin nur unter strengen Auflagen Kaiser Wilhelms II. aufgeführt, blickt auf eine skandalumwitterte Geschichte zurück.

Titovs Inszenierung verzichtet auf den üblichen Dekadenz-Überfluss und setzt stattdessen auf einen schroffen, matt-goldenen Gewölberaum, gestaltet von Rufus Didwiszus. Die Bühnengestaltung meidet sinnliche Überladung und schafft eine Atmosphäre eisiger Intensität. An zentralen Stellen jedoch verblasst die vom BDSM inspirierte Ästhetik der Produktion, wodurch dramatische Wirkungslücken entstehen.

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Salomes berüchtigter Tanz wird mit mehreren maskierten Tänzer:innen neu interpretiert – ihre identischen Gesichter steigern Herodes’ Erregung durch Andeutung statt durch Erfüllung. Matthias Wohlbrechts Herod liefert eine gesangliche Darstellung, die von Furcht und Aggression durchzogen ist; seine scharfen Töne durchdringen das orchestrale Wogen. Nicole Chevalier als Salome bewegt sich über die tückische Bühne, während sie gegen Strauss’ überwältigende Partitur ankämpft. Begehren treibt in Titovs Version fast jede Interaktion an. Die Figuren klammern sich aneinander, werden aber zurückgewiesen – ihre Sehnsucht stößt auf Widerstand. Das Ergebnis ist eine Inszenierung, die zugleich beunruhigend und diszipliniert wirkt und durch ihren Ehrgeiz Respekt einflößt.

Die Salome der Komischen Oper Berlin ist noch an drei weiteren Abenden zu erleben: am 7., 12. und 18. Dezember. Karten und weitere Informationen gibt es unter komische-oper-berlin.de. Titovs Interpretation hinterlässt einen bleibenden Eindruck – eine gelungene Verbindung aus historischem Gewicht und mutigem zeitgenössischem Ansatz.