Rückversicherer verhandeln in Baden-Baden über Preise und Klimarisiken
H.-Dieter HuhnRückversicherer verhandeln in Baden-Baden über Preise und Klimarisiken
Die Rückversicherungsbranche steht vor einer entscheidenden Phase, da diese Woche in Baden-Württemberg die Verhandlungen für die Januar-Erneuerungen an Fahrt aufnehmen. Nach Jahren der Unsicherheit zeigt die Branche nun eine starke Profitabilität – einige Unternehmen verzeichnen eine Eigenkapitalrendite (ROE) von über 20 %. Diese Entwicklung hat die Diskussionen über Preise und Vertragsbedingungen grundlegend verändert.
2023 verzeichneten Rückversicherer eine deutliche Verbesserung ihrer finanziellen Performance. Noch vor drei Jahren zogen Investoren aufgrund schwacher Renditen ihre Beteiligungen im Sektor in Zweifel. Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der Branche bei 16–17 % liegt, wobei konkrete Zahlen für einzelne Unternehmen, die über 20 % liegen, jenseits von Fällen wie der Hannover Rück nicht bestätigt sind.
Erstversicherer fordern inzwischen stärker Frequenzdeckungen und Schutz für ihre Erträge. Der Grund: Sekundärrisiken wie Überschwemmungen, Waldbrände und Stürme treiben die Schadensfälle in die Höhe. Rückversicherer haben daraufhin ihr Risikoexposure angepasst, um die Volatilität zu verringern. Unklar bleibt jedoch, ob Käufer höhere Kosten für niedrigere Schutzschichten akzeptieren werden.
Thorsten Steinmann, Vorstandsvorsitzender der E+S Rück und Mitglied des Vorstands der Hannover 96, bezeichnete die laufenden Gespräche über Preise und Konditionen als „üblichen Prozess“. Die anstehenden Januar-Erneuerungen, die stark auf das europäische Geschäft fokussiert sind, werden zeigen, wie sich diese Verhandlungen in konkrete Vereinbarungen übersetzen lassen.
Die gestiegene Profitabilität hat die Dynamik in der Rückversicherungsbranche verändert, doch Herausforderungen bleiben bestehen. Zunehmende Schäden durch klimabedingte Ereignisse prägen weiterhin die Zeichnungspolitik. Die Ergebnisse der dieswöchigen Gespräche in Baden-Baden werden maßgeblich dafür sein, wie Risiken – und Kosten – im Jahr 2024 verteilt werden.
