17 December 2025, 15:22

Revolutionärer Rentenvorschlag: Soll das Eintrittsalter an Beitragsjahre geknüpft werden?

Ein Plakat mit Bildern von Frauen und begleitendem Text.

Minister: Achten Sie auf die Sorgearbeit von Frauen im Ruhestand - Revolutionärer Rentenvorschlag: Soll das Eintrittsalter an Beitragsjahre geknüpft werden?

Minister: Pflegearbeit von Frauen in der Rente anerkennen

Minister: Pflegearbeit von Frauen in der Rente anerkennen

Minister: Pflegearbeit von Frauen in der Rente anerkennen

  1. Dezember 2025

Ein neuer Vorschlag könnte die Regeln für den Anspruch auf gesetzliche Rente in Deutschland grundlegend ändern. Der Wirtschaftsprofessor Jens Südekum schlägt vor, das Renteneintrittsalter nicht mehr starr an ein festes Lebensalter zu knüpfen, sondern an die Jahre der Beitragszahlungen. Die Idee stößt bei Politikern und Experten auf geteilte Reaktionen.

Südekums Modell sieht vor, das heutige altersbasierte System durch ein beitragsjahrorientiertes zu ersetzen. Demnach könnten Arbeitnehmer, die früh in körperlich belastende Berufe einsteigen – etwa Stahlarbeiter oder Pflegekräfte –, früher in Rente gehen. Wer dagegen später ins Berufsleben startet, wie etwa Akademiker, müsste länger arbeiten. Der Professor erläuterte seinen Vorschlag in Interviews mit der Bild am Sonntag, über den auch Vorwärts und der Spiegel Ende 2025 berichteten.

Bundesarbeitsministerin Nancy Faeser (SPD) bezeichnete das Konzept als „grundsätzlich sinnvoll“. Sie betonte, wie wichtig es sei, den Arbeitsschutz insbesondere in belastenden Berufen zu stärken. Niedersachsens Sozialminister Andreas Philippi (SPD) lehnte hingegen ein einheitliches Renteneintrittsalter ab. Es sei unrealistisch, von Stahlarbeitern oder überlasteten Pflegekräften zu verlangen, bis 68 zu arbeiten.

Kritiker wie der Ökonom Marcel Fratzscher warnen, die Reform könnte bestehende Ungleichheiten verschärfen. Schon jetzt benachteilige das aktuelle System Frauen, die häufiger unbezahlte Care-Arbeit leisten. Dadurch entsteht im Schnitt eine monatliche Rentendifferenz von 500 Euro. Philippi plädiert stattdessen für mehr Flexibilität: Das Renteneintrittsalter solle sich an den Berufsanforderungen und individuellen Lebensumständen orientieren.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte Südekums Idee „diskussionswürdig“, mahnte jedoch, man solle nicht vorschnell handeln, bevor das Rentensystem umfassend reformiert werde.

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Die Debatte zeigt die Spannungen zwischen Gerechtigkeit, Flexibilität und finanzieller Tragfähigkeit im deutschen Rentensystem. Würde Südekums Modell umgesetzt, hätte dies weitreichende Folgen: Manche Arbeitnehmer profitierten, während sich für andere die Kluft weiter vergrößern könnte. In den kommenden Monaten werden Politiker und Ökonomen die Pläne voraussichtlich weiter beraten.