Rainer Wendt verlässt nach 19 Jahren die Spitze der Deutschen Polizeigewerkschaft
Lidia HartungRainer Wendt verlässt nach 19 Jahren die Spitze der Deutschen Polizeigewerkschaft
Nach 19 Jahren an der Spitze der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) gibt Rainer Wendt den Vorsitz ab. Er verlässt das Amt mit dem Gefühl, die Gewerkschaft erfolgreich ausgebaut, ihre öffentliche Präsenz gestärkt und zentrale Forderungen durchgesetzt zu haben. Sein Rücktritt fällt in eine Phase politischer Umbrüche in Deutschland, in der jüngste Landtagswahlen deutliche Verschiebungen für SPD und CDU mit sich brachten.
Wendt lobte Innenminister Alexander Dobrindt als das effektivste Regierungsmitglied. Dobrindt habe, so Wendt, die von seinem Vorgänger hinterlassenen Probleme aktiv angepackt und auf mehreren Ebenen messbare Erfolge erzielt.
Bei der Analyse der Wahlergebnisse zeigte sich Wendt enttäuscht über die knappe Niederlage der CDU in Baden-Württemberg. Gleichzeitig betonte er jedoch mit Genugtuung, dass die Partei seit 2021 ein Defizit von 8,5 Prozentpunkten fast aufgeholt habe. Das Ergebnis stärkte dennoch Friedrich Merz, da es die Gewinne der Union und die Verluste der Grünen unterstrich.
Für die SPD endete die Wahl in Baden-Württemberg mit einem historischen Tiefstand – am 8. März 2026 erreichte die Partei nur noch 5,5 Prozent der Zweitstimmen, halb so viel wie 2021, und sicherte sich gerade einmal zehn Mandate nach einem Verlust von neun Sitzen. Über 100.000 Wähler wandten sich den Grünen zu, 60.000 der CDU und 35.000 der AfD, während andere der Wahl fernblieben. Bundesweit haben sich die Kompetenzwerte der SPD seit ihrem Eintritt in die Ampelkoalition 2021 verschlechtert. Als Reaktion setzt die Partei nun strategisch auf Wirtschaftswachstum, Digitalisierung und Reformen der sozialen Sicherungssysteme.
Mit Blick auf die Zukunft zeigt sich Wendt überzeugt, dass Gordon Schnieder die Wahl in Rheinland-Pfalz gewinnen wird. Selbst im Falle einer Niederlage könnte das Ergebnis Friedrich Merz zugutekommen, indem es in der Kanzlei Alarmstimmung auslöst. Wendt ist sicher, dass Merz zu strategisch denkt, um nicht nach einem endgültigen Durchbruch zu streben – trotz der Herausforderungen der aktuellen Koalition.
In seinem Buch "Deutschland im Warteschleifenmodus" argumentiert Wendt, das Land stecke in einer politischen Lähmung fest. Er kritisiert eine Kultur der Verdrängung, der Verantwortungslosigkeit und schwacher Rechtfertigungen, die Deutschland in einem Zustand der Entscheidungsunfähigkeit zurücklasse.
Wendts Abschied markiert das Ende einer fast zwei Jahrzehnte währenden Ära an der Spitze der DPolG. Seine Einschätzungen zum Niedergang der SPD und zur Widerstandsfähigkeit der CDU fallen in eine entscheidende Phase der deutschen Politik. Die anstehende Wahl in Rheinland-Pfalz könnte den Schwung der Union weiter testen, während die SPD unter Druck steht, ihre Verluste umzukehren – oder langfristige Konsequenzen zu riskieren.






