Polizist unter Verdacht: Sexuelle Belästigung bei Boßeln-Veranstaltung erschüttert Kommissariat
Ekkehard ScheelPolizist unter Verdacht: Sexuelle Belästigung bei Boßeln-Veranstaltung erschüttert Kommissariat
Ein Polizist des Polizeikommissariats Emsland/Grafschaft Bentheim steht unter Verdacht, bei einer privaten Veranstaltung eine Frau sexuell belästigt zu haben. Der Vorfall ereignete sich am 6. März während eines Boßeln-Treffens in Baccum. Der Fall hat nun größere Aufmerksamkeit erregt – auch die Behördenleiterin Nicola Simon gerät dabei in die Kritik.
Das Kommissariat war bereits in der Vergangenheit wegen rassistischer und extremistischer Vorfälle durch einen ehemaligen hochrangigen Beamten in die Schlagzeilen geraten. Die neuen Vorwürfe setzen die Führung nun erneut unter Druck.
Der 37-jährige Beamte soll die Frau während der Boßeln-Veranstaltung belästigt haben. Augenzeugen meldeten das Fehlverhalten, woraufhin er vom Gelände verwiesen wurde.
Nicola Simon, seit Anfang 2019 Leiterin des Kommissariats, war zum Zeitpunkt des Vorfalls anwesend. Ermittlern zufolge soll sie zugunsten des Beamten eingegriffen haben, was den Verdacht der Strafvereitelung aufkommen lässt. Simon hatte zuvor betont, das Kommissariat solle „hin und wieder ein leuchtendes Beispiel“ setzen.
Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat nun zwei Ermittlungsverfahren eingeleitet: Gegen den Beamten wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung, was bei Verurteilung mit Geldstrafen oder bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden kann. Gegen Simon wird wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt ermittelt. Sie wurde vorläufig von ihren Dienstpflichten suspendiert, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind.
Zudem wurden gegen Simon disziplinarrechtliche Schritte eingeleitet. Das Polizeikommissariat Emsland/Grafschaft Bentheim lehnte eine Stellungnahme ab und verwies alle Anfragen an die Polizeidirektion Osnabrück.
Der aktuelle Skandal reiht sich in frühere Enthüllungen ein: Ein ehemaliger Hauptkommissar desselben Reviers hatte in privaten Chats mit Kollegen rassistische und nationalsozialistisch verherrlichende Inhalte geteilt – ein weiterer Imageschaden für die Behörde.
Die Ermittlungen zum Boßeln-Vorfall dauern an. Je nach Ergebnis müssen sich sowohl der beschuldigte Beamte als auch Nicola Simon weiteren juristischen und disziplinarischen Konsequenzen stellen. Der Fall vertieft die Krise des Kommissariats, dessen Führung nun erneut massiv in der Kritik steht.






