Niedersachsen reformiert Schulgesetz: Mehr Mitsprache und flexible Lehrkonzepte ab 2026
Ekkehard ScheelMehr Selbstbestimmung: Was das neue Schulgesetz bietet - Niedersachsen reformiert Schulgesetz: Mehr Mitsprache und flexible Lehrkonzepte ab 2026
Niedersachsen plant grundlegende Reform des Schulgesetzes mit Fokus auf Schülerbeteiligung und flexiblen Unterricht
Die Landesregierung in Niedersachsen will das Schulgesetz umfassend modernisieren – mit stärkerer Einbindung der Schülerinnen und Schüler sowie flexiblen Lehrmethoden. Die von Bildungsministerin Julia Willie Hamburg vorgelegten Reformpläne zielen darauf ab, Schulen mehr Eigenverantwortung zu geben und den Schülerinnen und Schülern mehr Mitspracherechte einzuräumen. Bei einer Zustimmung könnten die Änderungen bereits zum Schuljahr 2026/27 in Kraft treten.
Der nun bis zum 1. Dezember zur Stellungnahme ausgelegte Gesetzentwurf sieht mehrere zentrale Neuerungen vor: Grundschulen erhalten die Option, alle vier Jahrgangsstufen in einer sogenannten „Familienklasse“ zusammenzufassen. Dieses Modell soll eine individuellere Förderung ermöglichen und den Zusammenhalt unter den jüngeren Schülerinnen und Schülern stärken.
An weiterführenden Schulen wird es mehr Spielraum bei der Jahrgangsstufenorganisation geben, während Gymnasien in der Oberstufe feste Fachschwerpunkte abschaffen sollen – stattdessen können Schülerinnen und Schüler ihre Kurse freier wählen. Ein weiterer zentraler Baustein ist die Einführung des Faches „Werte und Normen“ an allen Grundschulen ab 2026/27 als Alternative zum Religionsunterricht.
Die Reformen sehen zudem verbindliche Wahlen für Klassen- und Schülersprecher vor sowie regelmäßige Klassenräte an allen Schulformen – einschließlich der Förderschulen. Für Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten wie Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) oder Rechenstörung (Dyskalkulie) werden Nachteilsausgleiche und Notenschutz gesetzlich verankert. Auch der Distanzunterricht erhält eine klare rechtliche Grundlage, etwa bei Extremwetter oder anderen Störungen des Schulbetriebs.
Der Entwurf hat bereits das Kabinett passiert; als nächste Schritte folgen eine Anhörungsphase und die parlamentarische Debatte. Bei einer Verabschiedung könnten die neuen Regelungen rechtzeitig zum Schulstart 2026 greifen.
Mit dem überarbeiteten Schulgesetz setzt Niedersachsen auf mehr Partizipation der Schülerinnen und Schüler sowie anpassungsfähigere Lehrkonzepte. Schulen im Land haben bis zum 1. Dezember Zeit, Feedback einzureichen, bevor das Gesetz weiter voranschreitet. Sollte der Entwurf verabschiedet werden, stehen ab 2026 tiefgreifende Veränderungen im Klassenzimmer bevor.
