Neues Rentensystem: Mehr Beiträge, mehr Risiko – und politische Machtspiele?
H.-Dieter HuhnNeues Rentensystem: Mehr Beiträge, mehr Risiko – und politische Machtspiele?
Deutschland führt ein neues, umlagefinanziertes Rentensystem mit zusätzlichen Beiträgen der Arbeitnehmer ein. Die Gelder sollen vorrangig in den heimischen Markt fließen – doch es gibt Bedenken wegen möglicher politischer Einflussnahme und unklarer Leistungsvorgaben.
Im Rahmen des neuen Systems steigen die monatlichen Rentenbeiträge um zwei Prozentpunkte. Friedrich Merz schätzt, dass dadurch jährlich mindestens 30 Milliarden Euro in die Rentenkasse fließen werden. Er schlug vor, diese Mittel in deutsche Kapitalmärkte und Unternehmensbeteiligungen zu lenken, darunter auch Wachstumsfinanzierungen.
Kritiker warnen jedoch, die Regierung könnte das Rentengeld für politisch gewünschte Projekte zweckentfremden – etwa zur Finanzierung der Rüstungsindustrie, zur Privatisierung der Deutschen Bahn oder für Infrastrukturvorhaben und Start-ups. SPD-Minister könnten so ohne neue Schulden eigene Initiativen vorantreiben.
FDP-Chef Wolfgang Kubicki lehnte den Plan scharf ab. Er nannte das Vorhaben „reinen Wahnsinn“ und bestand darauf, dass Rentenbeiträge verantwortungsvoll und frei von politischem Einfluss in globale Märkte investiert werden müssten. Als mögliche Benchmark für die Fondsperformance wurde der MSCI-World-Index genannt, der in den vergangenen 20 Jahren durchschnittlich 8 Prozent Rendite pro Jahr erzielte. Künftige Rentner könnten den Fonds infrage stellen, sollte er Inflation oder globale Marktrenditen verfehlen.
Das neue Rentensystem wird jährlich Milliarden in Investitionen lenken. Doch die Konzentration auf inländische Projekte und die Gefahr politischer Instrumentalisierung sorgen für Streit. Der Erfolg des Modells hängt davon ab, ob es stabile und marktgerechte Erträge liefern kann.
