Mainzer Karnevalsauftakt: Jubel und Streit unter strengen Auflagen
Ekkehard ScheelMainzer Karnevalsauftakt: Jubel und Streit unter strengen Auflagen
Mainz startet mit Jubel und Streit in die Karnevalssaison
Um 11:11 Uhr am 11. November drängten sich 9.000 Feiernde auf dem Schillerplatz zum traditionellen Faschingsauftakt – doch diesmal unter neuen Auflagen: Einlass nur mit Ticket, Besucherbegrenzungen und strenge Medienregeln sorgten für Empörung bei Teilnehmern und Zuschauern.
Der Mainzer Carneval-Verein (MCV) setzte in diesem Jahr strikte Kontrollen durch: Die Besucherzahl wurde auf 9.000 begrenzt, der Zutritt nur mit Eintrittskarte gestattet. Die Veranstalter begründeten dies mit gestiegenen Sicherheitsanforderungen und explodierenden Kosten. Doch die Maßnahmen stießen auf scharfe Kritik. Ein Demonstrant rief „Fasching für alle!“ , als der Zugang zum Balkon des Osteiner Hofs nur ausgewählten Journalisten vorbehalten blieb.
Auf der Bühne eröffneten die Mainzer Hofsänger die Feierlichkeiten und wiesen dabei auf ihr bevorstehendes 100-jähriges Jubiläum hin. Bürgermeister Nino Haase unterhielt das Publikum mit humorvollen Seitenhieben auf die berüchtigten Bauverzögerungen der Stadt, bevor er in schwierigen Zeiten zu Zusammenhalt aufrief. Währenddessen verschwand die traditionelle Schillerplatz-Uhr hinter einer riesigen Countdown-Leinwand, und die ikonischen Schwellköpp wurden auf einen kleinen Bereich neben der Bühne beschränkt.
Die Polizei meldete eine lebhafte, aber weitgehend friedliche Stimmung – allerdings gab es zehn Strafanzeigen, vor allem wegen Beleidigungen und leichter Körperverletzung. Während der Regionalsender SWR die Karnevalsberichterstattung komplett ausließ, übertrug der WDR live von den Eröffnungssitzungen in Köln. Der SR (Saarländischer Rundfunk) zeigte stattdessen Wiederholungen und eine Zugdokumentation – statt Faschingsprogramm.
Mit 9.000 Gästen unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen und einer Wolke des Unmuts über die Zugangsregeln endete die Veranstaltung. Die Polizei registrierte zehn Vorfälle, doch die Grundstimmung blieb festlich. Für viele jedoch warf der eingeschränkte Zugang einen Schatten auf eine Tradition, die sonst für Offenheit und Spontanität steht.
