Immer mehr Apotheken kämpfen mit Insolvenz – doch Clearingstellen bieten Rettung
Mia StollImmer mehr Apotheken kämpfen mit Insolvenz – doch Clearingstellen bieten Rettung
Deutsche Apotheken stehen unter wachsendem Finanzdruck, da Zahlungsausfälle und Liquiditätsengpässe zunehmen. In den vergangenen zwei Jahren haben steigende Kosten für Rezepturarzneimittel immer mehr Betriebe an den Rand der Insolvenz gedrängt. Die Zahl der Pleiten stieg von 40 im Jahr 2024 auf 44 im Jahr 2025 – der höchste Stand seit 2008. Um Liquiditätskrisen zu vermeiden, greifen viele Apotheken mittlerweile auf vorzeitige Auszahlungen von Rezeptforderungen über Clearingstellen zurück.
Der Anstieg teurer Medikamentenverordnungen, die mittlerweile bis zu 40 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen, hat die Apotheken im Tagesgeschäft mit Liquiditätsproblemen kämpfen lassen. Zwischen 2024 und 2025 stieg das Insolvenzrisiko deutlich: Die Zahl der gefährdeten Apotheken erhöhte sich von 246 auf 277. Allein 2025 wurden über 500 Schließungen verzeichnet – ein Trend, der die Nachfrage nach Vorfinanzierungslösungen befeuert.
Clearingstellen wie die ARZ Haan und Noventi bieten mittlerweile vorzeitige Auszahlungsoptionen zu günstigeren Zinsen an als traditionelle Banken. Das Paket FlexZahlungBusiness von ARZ Haan erhebt eine tägliche Gebühr von 0,02 Prozent, ohne Überweisungskosten. Noventi hingegen arbeitet mit einem Festzins von 0,018 Prozent zuzüglich eines variablen Aufschlags, der an den Ein-Monats-Euribor der Bundesbank gekoppelt ist und sich je Bankarbeitstag anpasst.
Katja Frey von ARZ Haan verzeichnet einen starken Anstieg der Nachfrage nach Vorfinanzierungen. Ziel sei es, Apotheken vor Liquiditätsfallen zu bewahren, indem sie schneller an benötigte Mittel kommen. Die vorzeitigen Auszahlungsdienste entwickeln sich zunehmend zu einer Überlebenshilfe für finanziell angeschlagene Apotheken. Angesichts weiter steigender Insolvenzzahlen und Schließungen bieten diese Finanzierungsmodelle eine Möglichkeit, die Liquidität zu sichern – und das ohne die hohen Kosten klassischer Kredite. Der Trend spiegelt die tiefgreifenden Herausforderungen der Branche wider, da die Ausgaben für Rezepturarzneimittel weiterhin steigen.
