Hanfanbau in Deutschland feiert überraschendes Revival nach Jahrzehnten des Verbots
Lidia HartungHanfanbau in Deutschland feiert überraschendes Revival nach Jahrzehnten des Verbots
Hanfanbau erlebt in Deutschland ein Comeback nach jahrzehntelangem Rückgang
Seit der Wiedergesetzgebung im Jahr 2022 verzeichnet der Anbau von Industriehanf in Deutschland einen deutlichen Aufschwung: Die bewirtschaftete Fläche stieg von 1.200 Hektar im Jahr 2022 auf über 7.000 Hektar im Jahr 2024. Einer der Vorreiter dieser Renaissance ist der 32-jährige Jan Winkelmann aus Grops, der Hanf als Zwischenfrucht nach der Getreideernte anbaut.
Hanf war einst ein zentraler Rohstoff im 17. und 18. Jahrhundert, wurde jedoch 1929 in Deutschland wegen seines THC-Gehalts verboten. Im Gegensatz zu Cannabis enthält Faserhanf nur Spuren von THC – Winkelmanns Pflanzen etwa weisen weniger als 0,3 Prozent auf und eignen sich daher nicht für Freizeitzwecke. Stattdessen werden sie wegen ihrer robusten Fasern angebaut, die zu Textilien, Papier, Baumaterialien und Hanföl verarbeitet werden können.
Der Anbau unterliegt strengen Auflagen: Landwirte müssen sich bei den Behörden registrieren, und die Ernte erfordert spezielle Bedingungen. Mindestens 15 Hektar sind nötig, damit Lohnunternehmer spezialisierte Maschinen einsetzen können, und die Pflanzen müssen nach dem ersten Frost geerntet werden. Trotz dieser Vorgaben sieht Winkelmann großes Potenzial in der Kultur. Er arbeitet mit einem niederländischen Unternehmen zusammen, um Textilfasern herzustellen, und hofft, damit ein neues Einkommensstandbein für seinen Betrieb zu schaffen.
Die Pflanze selbst ist pflegeleicht: Hanf gedeiht mit organischen Düngemitteln, benötigt keine Pestizide und verbessert durch seine tiefen Wurzeln die Bodenqualität. Seine Vielseitigkeit und Nachhaltigkeit treiben den aktuellen Boom voran – die meisten Anbauflächen liegen inzwischen in Bundesländern wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
Winkelmanns Experiment steht für einen größeren Trend in der deutschen Landwirtschaft. Mit über 7.000 Hektar, die mittlerweile für Industriehanf genutzt werden, etabliert sich die Pflanze erneut als wertvolle Ressource. Ihre Anwendungsmöglichkeiten reichen von umweltfreundlichen Textilien bis hin zum Bauwesen und bieten Landwirten eine lukrative und nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Kulturen.
