Grünes Licht für Deutschlands größte Wasserstoffanlage in Lingen bis 2027
H.-Dieter HuhnGrünes Licht für Deutschlands größte Wasserstoffanlage in Lingen bis 2027
Deutschland treibt ein großes Projekt für grüne Geldanlage in Lingen, Niedersachsen, voran. BP hat grünes Licht für eine 100-Megawatt-Elektrolyseanlage gegeben, die ab 2027 jährlich bis zu 11.000 Tonnen Wasserstoff produzieren soll. Die Anlage markiert einen wichtigen Schritt in der nationalen Wasserstoffstrategie des Landes, die bis 2026 mehr als 20 Großprojekte vorsieht – auch wenn viele davon Verzögerungen haben oder noch nicht mit dem Bau begonnen wurde.
Das Projekt Lingen Green Hydrogen (LGH2) erhielt im Dezember 2024 die finale Investitionsentscheidung von BP. Gefördert wird es im Rahmen des EU-Programms IPCEI und ist Teil der übergreifenden Initiative GET H2, die den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland vorantreibt. Zu Beginn des Jahres 2025 trafen die ersten Baumaschinen auf dem 34.000 Quadratmeter großen Gelände ein – eine Fläche, die etwa viereinhalb Fußballfeldern entspricht.
Der Industrie-Dienstleister Bilfinger hat den Auftrag für die Montage und Installation zentraler Anlagenteile erhalten. Dazu gehören Rohrleitungen, Klima- und Lüftungssysteme sowie die Wärmedämmung. Zudem wird das Unternehmen 20 Protonenaustauschmembran-(PEM)-Elektrolyse-Stapeln integrieren, die 2026 geliefert werden sollen. Parallel arbeitet Bilfinger an einer weiteren 100-MW-Elektrolyseanlage für RWE am selben Standort und festigt so seine Rolle im GET H2-Projekt.
Sobald die Anlage in Betrieb ist, wird sie direkt an die BP-Raffinerie angrenzen und so die Herstellung klimafreundlicherer Kraftstoffe ermöglichen. Zudem wird sie an das geplante deutsche Wasserstoff-Pipelinenetz mit einer Länge von 9.700 Kilometern angebunden, dessen Kernabschnitte bis 2027 fertiggestellt sein sollen. Der produzierte Wasserstoff soll vor allem Industriekunden versorgen und damit die Dekarbonisierung der Schwerindustrie unterstützen.
Über Lingen hinaus umfasst Deutschlands Wasserstoffpläne weitere Standorte in Ostdeutschland, darunter Lubmin, Leipzig und die Region Chemiedreieck. Hamburg und Berlin werden Infrastruktur- und Politikforen beherbergen, während in Salzgitter und Bad Lauchstädt ebenfalls große Projekte geplant sind. Allerdings haben mindestens 14 der bis 2026 vorgesehenen 20 Vorhaben noch nicht mit dem Bau begonnen oder liegen im Zeitplan zurück.
Die Anlage in Lingen wird ab 2027 jährlich 11.000 Tonnen grünen Wasserstoff erzeugen, der sowohl in die Raffinerieprozesse von BP fließt als auch ins nationale Wasserstoffnetz eingespeist wird. Bilfingers Beteiligung stärkt seine Position im Nachhaltigkeitssektor, während das Projekt selbst zu Deutschlands langfristigem Ziel beiträgt, ein auf Wasserstoff basierendes Energiesystem aufzubauen. Trotz der Fortschritte in Lingen stecken viele andere Wasserstoffinitiativen im Land jedoch noch in der Planungsphase oder hinken dem Zeitplan hinterher.
