Gewaltwelle in Niedersachsens Krankenhäusern: 72 Prozent melden mehr Angriffe auf Personal
H.-Dieter HuhnKrankenhäuser beschweren sich über Angriffe auf Personal - Gewaltwelle in Niedersachsens Krankenhäusern: 72 Prozent melden mehr Angriffe auf Personal
Krankenhäuser in Niedersachsen kämpfen mit wachsender Gewalt gegen Mitarbeiter
In den Krankenhäusern Niedersachsens verschärft sich die Krise durch zunehmende Gewalt gegen das Personal. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 72 Prozent der Einrichtungen in den vergangenen fünf Jahren einen Anstieg verbaler und körperlicher Übergriffe verzeichnet haben. Die Entwicklung treibt viele Beschäftigte im Gesundheitswesen in die Überlegung, ihren Beruf aufzugeben, während die Kliniken mit finanziellen Verlusten und steigendem Druck zu kämpfen haben.
Die Erhebung, die im August und September 2025 durchgeführt wurde, umfasste 130 der 161 zugelassenen Krankenhäuser der Region. Jede teilnehmende Einrichtung berichtete von einer moderaten oder deutlichen Zunahme gewalttätiger Vorfälle – keine verzeichnete einen Rückgang. Besonders betroffen sind Notaufnahmen und Pflegekräfte, die oft unter langfristigen psychischen Folgen leiden.
Als Reaktion haben einige Krankenhäuser Sicherheitskräfte eingestellt und Notfallknöpfe installiert. Andere bieten Deeskalationstrainings an, um Mitarbeiter im Umgang mit aggressiven Situationen zu schulen. Doch diese Maßnahmen kommen zu einer Zeit, in der die Ressourcen ohnehin knapp sind. Mehr als die Hälfte der niedersächsischen Krankenhäuser arbeitet mit Verlusten, und über die Hälfte rechnet damit, bis Ende 2025 im Defizit zu bleiben. Finanzielle Engpässe und bürokratische Auflagen lenken zusätzlich von der Patientenversorgung ab und verschärfen die Belastung für das Personal. Viele Beschäftigte – vor allem in Notfallbereichen – beantragen Versetzungen oder verlassen den Krankenhausdienst ganz.
Der Anstieg der Gewalt verschärft die ohnehin schon großen Herausforderungen für das niedersächsische Gesundheitssystem. Da keine Klinik einen Rückgang der Übergriffe meldet, gefährdet die Lage die Personalbindung und die Patientenversorgung. Finanzielle Not und administrative Hürden verstärken die Instabilität, mit der die Krankenhäuser in der Region konfrontiert sind.
