19 June 2026, 04:18

Gabriele Stötzer erhält den Goslarer Kaiserring – eine späte Ehre für die rebellische Künstlerin

Künstlerin Stötzer: "Sei dabei und bleib nicht stumm"

Gabriele Stötzer erhält den Goslarer Kaiserring – eine späte Ehre für die rebellische Künstlerin

Die Künstlerin Gabriele Stötzer erhält im Oktober den renommierten Goslarer Kaiserring. Die 73-Jährige, bekannt für ihre Fotografie, Webkunst und ihr politisches Engagement, reiht sich damit in die Liste früherer Preisträger wie Henry Moore und Gerhard Richter ein. Aktuell ist im Berliner Gropius Bau eine große Einzelausstellung ihrer Werke zu sehen.

Stötzer wuchs in der DDR auf, wo sie fotografierte, webte und zur Feministin wurde. 1989 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen der Erfurter Künstlerinnengruppe und besetzte die Bezirksverwaltung des Staatssicherheitsdienstes in Erfurt. Ihr Engagement führte zur Inhaftierung, nachdem sie eine Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet hatte. Ein Jahr verbrachte sie im Gefängnis – und nähte in dieser Zeit Strumpfhosen.

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Die unter dem Titel „Gabriele Stötzer: Dabeisein und nicht schweigen“ stehende Ausstellung zeigt rund 150 ihrer Arbeiten, darunter Videos, Fotografien, Modestücke und übergroße Wollfiguren von Frauen, von denen einige an die Frauen der Ukraine erinnern. Trotz ihrer Verdienste wusste Stötzer zunächst nicht, was der Goslarer Kaiserring ist, und tat sich schwer damit, die Auszeichnung mit ihrem Selbstverständnis in Einklang zu bringen.

Stötzer wehrt sich dagegen, allein als „DDR-Künstlerin“ bezeichnet zu werden – eine solche Zuordnung empfindet sie als einengend. Ihr Werk und die nun erfolgte Würdigung unterstreichen eine Karriere, die stets Normen herausforderte und marginalisierten Perspektiven eine Stimme gab. Die Ausstellung und der Preis markieren einen bedeutenden Moment in ihrem langen künstlerischen Weg.

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