Ex-Staatssekretär Graichen zerpflückt Deutschlands verfehlte Energiepolitik
H.-Dieter HuhnHabecks Staatssekretär Graichen kritisiert die Energiepolitik der Bundesregierung - Ex-Staatssekretär Graichen zerpflückt Deutschlands verfehlte Energiepolitik
Patrick Graichen, der ehemalige Staatssekretär für Energie in Deutschland, hat die aktuelle Energiepolitik des Landes scharf kritisiert. Er wirft der Regierung vor, mit ihrer Abhängigkeit von Öl und Gas geopolitische Risiken und die Klimakrise zu ignorieren. Seine Äußerungen erfolgen, nachdem er im Mai 2023 wegen eines Interessenkonflikts bei der Besetzung des Aufsichtsrats der Deutschen Energie-Agentur (dena) vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden war.
Graichen verweist auf den Erfolg Skandinaviens bei der Elektrifizierung als vorbildhaftes Modell für Deutschland.
Zwischen 2021 und 2026 trieben die skandinavischen Länder mit einer ambitionierten Energiepolitik die Elektrifizierung, den Ausbau erneuerbarer Energien und die Klimaneutralität voran. Diese Maßnahmen führten zu einem deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen (E-Autos). In Schweden übernahmen staatliche Zuschüsse im Rahmen des "gröna avdrag" (grüne Steuerermäßigung) bis zu 50 Prozent der Kosten für Wärmepumpen – die Installationen stiegen dadurch jährlich um 40 Prozent und erreichten bis 2025 über 200.000 Einheiten. Norwegen erreichte durch Steuerbefreiungen eine Verbreitung von 60 Prozent in den Haushalten, während Dänemark die Mehrwertsteuer senkte und so ein Wachstum von 30 Prozent bei den Installation verzeichnete.
Auch Elektroautos wurden zum Massenphänomen. Norwegen führte 2025 mit einem E-Auto-Anteil von 90 Prozent bei Neuzulassungen – begünstigt durch den Verzicht auf Mehrwertsteuer, Steuerbefreiungen und kostenloses Laden. Schweden bot bis 2024 eine Prämie von bis zu 100.000 Kronen an und erreichte so einen Marktanteil von 50 Prozent. Dänemark strich bis 2025 die Zulassungssteuern, wodurch der E-Auto-Anteil auf 45 Prozent kletterte. Zu den zentralen Maßnahmen zählten Norwegens E-Mobilitätsstrategie (2021–2025), die den Ausbau von über 10.000 Ladestationen förderte, Schwedens Investition von einer Milliarde Euro in Wärmepumpen 2023 sowie Dänemarks 15-Milliarden-Euro-Paket für die grüne Wende 2022.
Graichen macht für den Kurswechsel in der deutschen Energiepolitik wirtschaftliche Interessen, den Einfluss rechtspopulistischer Kräfte und Widerstand gegen Veränderungen verantwortlich. Er warnt, dass das Ignorieren der Klimakrise diese nicht verschwinden lasse. Stattdessen schlägt er vor, die Stromsteuer abzuschaffen, die Netzentgelte neu zu gestalten und stärkere Anreize für Elektroautos und Wärmepumpen zu schaffen, um diese mit den Preisen fossiler Brennstoffe konkurrenzfähig zu machen.
Seine Vorschläge zielen darauf ab, den skandinavischen Erfolg zu kopieren, wo bezahlbare Preise grüne Technologien zur Regel statt zur Ausnahme gemacht haben.
Graichens Pläne konzentrieren sich darauf, die Kosten für Verbraucher zu senken und den Umstieg auf erneuerbare Energien zu beschleunigen. Würden diese Reformen umgesetzt, könnte Deutschland seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern und seine Politik an den skandinavischen Vorbildern ausrichten. Ob dies gelingt, hängt jedoch vom politischen Willen und der öffentlichen Unterstützung für solche Veränderungen ab.






