01 January 2026, 11:24

Energiewende in Gefahr: Branchenverbände fordern dringend schnelleren Netzausbau in Deutschland

Eine Szene mit Schuppen, Transformatoren, Strommasten mit Kabeln, Zäunen, einer Straßenlaterne, Bäumen und einem bewölkten Himmel.

Energiewende in Gefahr: Branchenverbände fordern dringend schnelleren Netzausbau in Deutschland

Ein Bündnis aus 13 Branchenverbänden hat einen dringenden Appell für einen schnelleren Netzausbau und besseren Zugang zu den Stromnetzen veröffentlicht. Unter der Führung des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) warnt die Gruppe, dass Verzögerungen bei Netzanbindungen die Energiewende in Deutschland gefährden. In ihrem unter dem Titel "Sicherer Netzzugang – Zukunft ermöglichen" veröffentlichten Aufruf fordern sie Politik und Regulierungsbehörden zu sofortigem Handeln auf.

Die gemeinsame Erklärung verweist auf massive Engpässe in der Netzkapazität, die Unternehmen daran hindern, auf erneuerbare Energielösungen umzusteigen. Jan-Oliver Heidrich, Vorsitzender des Energieausschusses beim Handelsverband Deutschland (HDE), erklärte, dass viele Betriebe bei der Installation von Solaranlagen oder Ladesäulen für Elektrofahrzeuge mit langen Wartezeiten konfrontiert seien. Einige Projekte, so Heidrich, kämen aufgrund unzureichender Netzinfrastruktur überhaupt nicht voran.

Wolfgang Saam, Leiter Klimapolitik beim Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), wies besonders auf Mieterstrommodelle als Problemfeld hin. Solaranlagen für solche Projekte müssten im Schnitt 278 Tage auf den Netzanschluss warten. Gleichzeitig stößt der Ofenhersteller Leda bei seinen Plänen, von einem koksbefeuerter Ofen auf ein elektrisches System umzustellen, auf ein großes Hindernis: Das Unternehmen benötigt einen Sieben-Megawatt-Anschluss, doch der frühestmögliche Termin für die Realisierung ist erst 2032. Fynn Wilhelm Lohe, Geschäftsführer von Leda, nannte die Situation "unfassbar frustrierend".

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Der Appell enthält klare Forderungen: beschleunigte Genehmigungsverfahren, termingerechte Netzanschlüsse sowie die Berücksichtigung von Energiewende-Expertise in den Anreizregeln für Netzbetreiber. Robert Busch, Geschäftsführer des BNE, kritisierte die Absage des "Netzanschluss-Gipfels" und forderte eine zügige Digitalisierung der Netze. Ohne diese Maßnahmen, warnte er, drohe die Energiewende zum Stillstand zu kommen. Sarah Bäumchen, Geschäftsführerin des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), betonte, dass der Netzausbau Vorrang haben müsse – nicht als Reaktion auf die Energiewende, sondern als ihre Grundlage. Die Verbände drängen nun die Bundesregierung, die Länderbehörden und die Bundesnetzagentur zum Handeln, bevor die Verzögerungen größere wirtschaftliche Schäden anrichten.

Die Industrieverbände haben ihre Position deutlich gemacht: Ohne verlässlichen Netzzugang werden erneuerbare Projekte und Unternehmen weiterhin unnötigen Hürden ausgesetzt sein. Ihr Appell fordert konkrete Schritte – von vereinfachten Regularien bis hin zur beschleunigten Digitalisierung –, um die Energiewende in Deutschland auf Kurs zu halten. Jetzt sind die Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber am Zug.