Deutschland verpasst EU-Frist für Gehaltstransparenz – und riskiert Konsequenzen
Mia StollDeutschland verpasst EU-Frist für Gehaltstransparenz – und riskiert Konsequenzen
Deutschland hat die Frist zur Umsetzung der neuen EU-Gehaltstransparenzgesetze verpasst und verstößt damit gegen europäisches Recht. Die Regelungen, die die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern bekämpfen sollen, hätten bis Montag, dem 1. Juni 2026, in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Durch die Verzögerung drohen nun rechtliche Schritte der Europäischen Kommission.
Die EU-Richtlinie zur Gehaltstransparenz verpflichtet Arbeitgeber, Startgehälter in Stellenausschreibungen anzugeben, und untersagt Fragen nach früheren Verdiensten. Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten müssen zudem regelmäßig Berichte über ihre geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede veröffentlichen. Nach dem neuen System können Arbeitnehmer durchschnittliche Gehaltsdaten für vergleichbare Positionen, aufgeschlüsselt nach Geschlecht, anfordern.
Das bestehende deutsche Entgelttransparenzgesetz, das 2017 eingeführt wurde, erlaubt Arbeitnehmern bereits, Gehaltsvergleiche innerhalb ihres eigenen Unternehmens anzufordern. Allerdings machen nur wenige von diesem Recht Gebrauch, oft aus Angst vor negativen Konsequenzen seitens der Arbeitgeber. Die strengeren EU-Maßnahmen zielen darauf ab, dieses Problem zu lösen, indem sie Gehaltsinformationen leichter zugänglich machen.
Laut den neuesten Eurostat-Zahlen verdienen Frauen in Deutschland 15,6 % weniger pro Stunde als Männer – ein höherer Unterschied als der EU-Durchschnitt von 11,1 %. Trotz dieser Diskrepanz plant die Bundesregierung die Umsetzung der Richtlinie nun erst für Anfang 2027, fast ein Jahr später als vorgesehen.
Die Europäische Kommission könnte nun ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einleiten, weil das Land die Frist vom 1. Juni nicht eingehalten hat. Sobald die neuen Regeln in Kraft treten, müssen Unternehmen Gehaltsdetails offenlegen und dürfen während des Einstellungsverfahrens keine Fragen zur Gehaltshistorie mehr stellen. Dies könnte Arbeitgeber dazu drängen, die anhaltenden Lohnungleichheiten zwischen Männern und Frauen endlich zu beseitigen.






