Constanza Macras’ Leb wohl, Berlin verbindet Weimarer Dekadenz mit moderner Clubkultur
H.-Dieter HuhnConstanza Macras’ Leb wohl, Berlin verbindet Weimarer Dekadenz mit moderner Clubkultur
Constanza Macras präsentiert ihre neueste Tanzperformance Leb wohl, Berlin – ein Werk, das tief im Geist der Weimarer Dekadenz verwurzelt ist. Die Produktion lässt sich von Christopher Isherwoods Leb wohl, Berlin und dem Kultfilm Cabaret inspirieren und verbindet Geschichte mit moderner Clubkultur. Macras, die die Volksbühne Berlin während der Intendanz von Matthias Lilienthal verließ, reflektiert nun über die sich wandelnde politische und künstlerische Landschaft der Stadt.
Die Performance verwandelt das Berlin der 1930er-Jahre in Bewegung und webt Elemente der Clubszene des Jahres 2025 ein. Macras verschmilzt Vergangenheit und Gegenwart und schafft so einen scharfen Kontrast zwischen dem Hedonismus der Weimarer Republik und den heutigen politischen Spannungen. Der Aufstieg der rechtsextremen AfD zeichnet sich im Hintergrund ab und unterstreicht die Warnung der Inszenierung, dass sich Geschichte wiederholen könnte.
Offen spricht Macras über ihr Bedauern, nach ihrem Abschied von der Volksbühne ihr Berliner Publikum verloren zu haben. Das Stück trägt einen ungewöhnlich belehrenden Ton und mahnt die Zuschauer, Parallelen zwischen der Vergangenheit und den heutigen gesellschaftlichen Verschiebungen zu erkennen. Durch die Verschmelzung von Tanz, Theater und zeitgenössischem Kommentar wird Leb wohl, Berlin gleichermaßen zu einer Hommage wie zu einer Mahnung.
Die Produktion ist eine mutige Aussage über die zyklische Natur politischen Extremismus. Macras’ Werk beschränkt sich nicht darauf, Geschichte aufzuarbeiten – es stellt sie in direkten Dialog mit der Gegenwart. Das Publikum verlässt den Saal mit der deutlichen Erinnerung, wie leicht die Vergangenheit in neuen Formen wiederkehren kann.
