Chancen-Aufenthaltsrecht: Tausende entkamen der Duldungsfalle – doch viele bleiben unsicher
Ekkehard ScheelChancen-Aufenthaltsrecht: Tausende entkamen der Duldungsfalle – doch viele bleiben unsicher
Deutschlands Chance auf Bleiberecht: Tausende entkamen der Duldungsfalle – doch viele bleiben in der Unsicherheit
Das Chancen-Aufenthaltsrecht hat tausenden langjährigen Inhabern einer Duldung den Weg in ein legales Aufenthaltsrecht geebnet. Doch seit das Gesetz ausgelaufen ist, steht viele wieder vor einer ungewissen Zukunft. Zwar ist die Zahl der Menschen, die in der sogenannten Kettenduldung – der wiederholten vorübergehenden Aussetzung der Abschiebung – feststecken, seit 2022 gesunken, doch für die Zurückgebliebenen bleiben die Herausforderungen bestehen.
Das Chancen-Aufenthaltsrecht, eingeführt von der Ampelkoalition, ermöglichte es Menschen mit mindestens fünf Jahren Duldungsstatus, einen Antrag auf eine vorübergehende Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zu stellen. Bis April 2025 hatten etwa die Hälfte der 140.000 Berechtigten von der Regelung Gebrauch gemacht. Einer von ihnen war Taylor, dem es gelang, seine Identität zu klären und dem Kreislauf der Kettenduldung zu entkommen. Nach Jahren in rechtlicher Schwebe besitzt er nun eine reguläre Aufenthaltserlaubnis und beschreibt das Gefühl, endlich "in der Gesellschaft angekommen" zu sein. Dennoch trägt er psychische Narben aus der Zeit der Unsicherheit.
Doch der Erfolg des Gesetzes blieb begrenzt. Weniger als die Hälfte der Antragstellenden werden voraussichtlich eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erhalten. Da die Regelung Ende 2022 auslief, sieht der von der unionsgeführten Koalition vorgeschlagene Nachfolger strengere Beschäftigungsauflagen vor. Viele Duldungsinhaber könnten künftig nicht mehr die Voraussetzungen erfüllen und drohen, in die rechtliche Unsicherheit zurückzufallen.
Der Rückgang der Kettenduldungs-Fälle ist zwar ein Fortschritt, doch die Zukunft der verbleibenden Duldungsinhaber bleibt unklar. Das ausgelaufene Chancen-Aufenthaltsrecht bot für manche eine vorübergehende Lösung – sein Nachfolger könnte jedoch Tausende ohne Perspektive auf einen stabilen Aufenthaltsstatus zurücklassen. Wer es geschafft hat, wie Taylor, steht nun vor der Aufgabe, nach Jahren des prekären Status ein neues Leben aufzubauen.
