Berliner Bühnenstück entlarvt rechtsextreme Verschwörungstheorien mit radikaler Satire
Mia StollBerliner Bühnenstück entlarvt rechtsextreme Verschwörungstheorien mit radikaler Satire
Eine provokante Bühnenperformance in Berlin stellt sich rechtsextremen verschwörungstheorien entgegen. Unter dem Titel "Wir Krisendarsteller: Doppelgänger im Zorn!" inszeniert die 2021 entstandene Produktion des Künstlerkollektivs andcompany&Co. und des Theaters Thikwa reale Tragödien durch die Linse von Desinformation – mit Performern mit behinderung, die falsche Erzählungen herausfordern.
Im Mittelpunkt der Aufführung steht das Konzept der "Krisendarsteller" – ein Begriff, der aus rechtsextremen verschwörungstheorien der USA stammt. Diese Theorien behaupten fälschlich, dass Schauspieler engagiert werden, um Katastrophen vorzutäuschen, von Massenschießereien bis zu Terroranschlägen. Ein berüchtigtes Beispiel: Überlebende des Schulmassakers an der Marjory Stoneman Douglas High School 2018 wurden von Online-verschwörungstheorien-Gruppen als bezahlte Darsteller diffamiert.
Auf der Bühne rekonstruiert das Ensemble Ereignisse wie den Anschlag auf die Abgeordnete Gabrielle Giffords 2011 oder das Massaker im Pulse-Nachtclub 2016. Mit Methoden wie Verbatim-Theater und politischem Kabarett verkörpern die Performer – viele von ihnen mit behinderung – Doppelgänger realer Opfer. Die Inszenierung wechselt zwischen spöttischer Satire und einer schonungslosen Analyse von Medienmanipulation und zwingt das Publikum, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie leicht Wahrheit verzerrt werden kann.
Alexander Karschnia, Mitglied von andcompany&Co., treibt die Provokation noch weiter: Er stellt selbst etablierte Fakten infrage – etwa, ob die Mondlandung inszeniert war. Seine These: Rechtsextreme Behauptungen, so absurd sie auch sein mögen, müssten ernst genommen werden – so ernst, dass die Gesellschaft Antworten auf solche verschwörungstheorien wie auf reale Bedrohungen proben solle. Den Höhepunkt der Vorstellung bildet eine mitreißende Interpretation von Freddie Mercurys "The Show Must Go On", gesungen von Berliner Künstlern, die dem Publikum die menschliche Tragweite hinter verschwörungstheorien eindringlich vor Augen führt.
Die Produktion entlarvt die Gefahren von Desinformation, indem sie verschwörungstheorien in ein packendes, körperliches Bühnenerlebnis verwandelt. Durch Nachstellungen und Publikumseinbindung zwingt sie zur Konfrontation mit den realen Schäden, die falsche Erzählungen anrichten. Die Zusammenarbeit zwischen andcompany&Co. und Theater Thikwa bleibt ein mutiges Statement zu Medienethik und der Kraft der Performance, Täuschung zu entlarven.
