Berlin streitet um Interimslösung für Philharmonie – Tempelhof oder ICC?
Lidia HartungBerlin streitet um Interimslösung für Philharmonie – Tempelhof oder ICC?
In Berlin wird derzeit über einen vorübergehenden Spielort für die Philharmonie während der für 2032 geplanten Sanierung diskutiert. Die Stadt favorisiert das Internationale Congress Centrum (ICC), doch Philharmonie-Direktorin Andrea Zietzschmann zeigt sich skeptisch. Gleichzeitig ist ihre Zukunft beim Orchester ungewiss, da die Vertragsverhandlungen ins Stocken geraten sind.
Eine aktuelle Umfrage des Portals BackstageClassical spiegelte die öffentliche Meinung wider: 66 Prozent der Befragten sprachen sich für den Flughafen Tempelhof als Interimslösung aus, nur fünf Prozent unterstützten das ICC. Die verbleibenden 29 Prozent plädierten für völlig andere Standorte. Auch Kollegen vom VAN Magazine hatten Tempelhof vorgeschlagen – allerdings belaufen sich die geschätzten Kosten auf über eine Milliarde Euro.
Zietzschmann kündigte an, ihren Vertrag nach der aktuellen Amtszeit nicht zu verlängern. In Berliner Kreisen war bereits im Vorfeld spekuliert worden, dass eine Verlängerung über 2028 hinaus unwahrscheinlich sei – trotz ihrer ambitionierten Neuausrichtung des Orchesters.
Auch anderswo brodeln kulturelle Debatten: Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda kritisierte in der Süddeutschen Zeitung die Positionen Michel Friedmans zur deutschen kulturellen Identität. In Leipzig sah sich Dirigent John Eliot Gardiner wegen seines Verhaltens beim Bach-Festival Vorwürfen ausgesetzt; einige forderten seinen Rückzug von Führungspositionen.
Auch im Rundfunk gibt es Streit: Der MDR plant, sein Klassikprogramm auf DAB+ einzustellen und durch BR-Klassik zu ersetzen. Sowohl Musikdirektorin Annette Josef als auch die Öffentlichkeit zeigten sich empört. Zudem bot Karin Bergmann, die Nachfolgerin von Markus Hinterhäuser, an, dessen geplante Konzerte zu übernehmen – eine Reaktion steht noch aus.
Im BackstageClassical-Podcast forderte Oliver Wille, Leiter der Hitzacker Sommer-Musiktage, mehr Ernsthaftigkeit und tieferes Vertrauen in die Musik.
Die Entscheidung über den vorübergehenden Standort der Philharmonie bleibt vorerst offen. Die Öffentlichkeit tendiert zu Tempelhof, doch Kosten und unklare Führungsfragen erschweren den Prozess. Andere Kultureinrichtungen kämpfen derweil mit eigenen Herausforderungen – von Vertragsstreitigkeiten über Rundfunkreformen bis hin zu ethischen Debatten.
