Anna Netrebko polarisiert bei Berliner Opern-Comeback in Un ballo in maschera
Mia StollAnna Netrebko polarisiert bei Berliner Opern-Comeback in Un ballo in maschera
Berliner Staatsoper Unter den Linden präsentiert provokante Neuinszenierung von Verdis Un ballo in maschera
Die Berliner Staatsoper Unter den Linden hat mit einer mutigen Neuinterpretation von Giuseppe Verdis Un ballo in maschera für Furore gesorgt. Bei der Premiere glänzte Star-Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle der Amelia – gefeiert von vielen, aber auch umstritten. Vor dem Opernhaus versammelten sich derweil Demonstranten, die gegen ihren Auftritt protestierten.
Die Uraufführung fand im Rahmen des Festprogramms der Staatsoper statt und markierte Netrebkos Rückkehr nach Berlin, wo sie bereits in früheren Produktionen aufgetreten war. Ihre Darstellung der Amelia erntete begeisterten Applaus großer Teile des Publikums, während aus einigen Reihen Buhrufe zu hören waren. Die Inszenierung unter der Regie von Rafael R. Villalobos verband queere Ballroom-Kultur mit Bezügen zur AIDS-Krise und fügte Verdis Werk aus dem 19. Jahrhundert so eine moderne Ebene hinzu.
Vor Beginn der Vorstellung skandierten etwa 50 Protestierende mit ukrainischen Fahnen Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Netrebko steht seit 2022 wegen ihrer angeblichen Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin in der Kritik – unter anderem wegen einer Geburtstagsfeier für sie im Moskauer Kreml 2021. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sagten große Häuser wie die Wiener Staatsoper und die Metropolitan Opera Engagements mit ihr ab, doch seit 2023 tritt sie wieder in Deutschland, Italien und Österreich auf.
Elisabeth Sobotka, Intendantin der Staatsoper, betonte, Netrebko habe sich öffentlich von Russland distanziert und sei seit Kriegsbeginn nicht dorthin zurückgekehrt. Dennoch bleibt die Frage umstritten, ob Kunst und Politik trennbar sind – oder sein sollten. Während einige Zuschauer und Kritiker ihren Auftritt ablehnen, verweisen andere auf ihre künstlerischen Leistungen.
Die musikalische und gesangliche Umsetzung von Un ballo in maschera wurde mit großem Beifall bedacht, doch der Abend blieb von gespaltenen Reaktionen geprägt. Netrebkos Rückkehr nach Berlin unterstreicht die anhaltende Spannung zwischen künstlerischer Anerkennung und politischer Bewertung – besonders angestoßen durch den andauernden Ukraine-Krieg.






