AfD eröffnet umstrittene Geschäftsstelle in ehemaligem NS-Musterdorf in Niedersachsen
Lidia HartungAfD eröffnet umstrittene Geschäftsstelle in ehemaligem NS-Musterdorf in Niedersachsen
Die AfD in Niedersachsen hat in Brettorf, einem kleinen Ort innerhalb der Gemeinde Dötlingen, eine neue Geschäftsstelle eröffnet. Der Standort liegt 130 Kilometer von Hannover entfernt – in einem ehemaligen nationalsozialistischen Musterdorf. Das Gebäude selbst, ein heruntergekommenes Schützenhaus mit verblasster Beschilderung, war bereits Schauplatz einer AfD-Veranstaltung namens 1. Sturmfest.
Die Wahl Dötlingens scheint strategisch bedacht. Die AfD betrachtet den Ort als relativ zentral in Niedersachsen gelegen und nutzt ihn, um ihre Präsenz im Nordwesten des Bundeslandes auszubauen. Mit 800 Mitgliedern im Jahr 2024 und 17 Landtagsmandaten seit 2022 will die Partei ihre regionale Verankerung weiter stärken.
Die Geschichte der Gemeinde verleiht der Entscheidung zusätzliches Gewicht. Dötlingen wurde 1936 zu einem NS-Musterdorf umgestaltet, und die neue Geschäftsstelle befindet sich in einer Halle, die im ländlichen Stil eingerichtet ist. Zwar könnte die AfD in der ländlichen Abgeschiedenheit auf weniger Störungen hoffen, doch die Region hat in der Vergangenheit bereits Proteste gegen rechtsextreme Treffen erlebt. Die Partei steht seit 2022 unter Beobachtung des niedersächsischen Verfassungsschutzes. Zwar sind in Dötlingen derzeit keine konkreten antifaschistischen Gruppen dokumentiert, doch regionale Initiativen mobilisieren regelmäßig gegen AfD-Aktivitäten in anderen Teilen des Landes.
Die neue AfD-Geschäftsstelle ist nun in einem historisch belasteten Gebäude aus der NS-Zeit in Betrieb. Die abgelegene Lage könnte kurzfristig die Protestaktivitäten begrenzen, doch die Partei bleibt eine beobachtete Organisation in Niedersachsen. Mit der ersten bereits abgehaltenen Veranstaltung hat der Standort seine Nutzung für politische Zusammenkünfte eingeläutet.
